Sentimentalitäten


 

Lycos hat vorgestern angekündigt, bzw. mitgeteilt, dass unprofitable Aktivitäten eingestellt werden und so wird Love@Lycos ab Mitte Februar Geschichte sein. Am 05. Mai 2005 bin ich der Plattform in einer Rotwein geschwängerten Nacht beigetreten, obwohl ich nie vorhatte mich bei so einer Kontakt-Börse zu registrieren. Nach all dem Wein und der Überzeugungsarbeit einer lieben Freundin war ich dann schließlich doch dort gelandet und hatte es bald schon wieder bereut. Mir war schnell klar, dass es schwerpunktmäßig um das Eine ging und wenn nicht einige wenige gewesen wären, mit denen man vernünftig kommunizieren konnte, wäre es wohl nur ein kurzes Intermezzo gewesen. Letztendlich bin ich doch ziemlich lang dort hängen geblieben, was mir heute mit ziemlich gemischte Gefühle beschert. Wäre ich eher gegangen, hätte ich das (vermeintlich) beste verpasst, was mir je passiert ist – aber es wäre mir auch viel erspart geblieben. Eigentlich ist es überflüssig überhaupt noch darüber nachzudenken, weil ich die Zeit eh nicht zurückdrehen kann. Nachdem mein Profil über ein halbes Jahr stillgelegt war, habe ich es vorgestern wieder geöffnet. Hatte es zugemacht, weil ich es im Sommer nicht fertig brachte irgendwelche gravierenden Veränderungen vorzunehmen und weil ich auch keine Lust mehr auf den Verein hatte. Es war Teil meiner Beziehung und nachdem diese nicht mehr länger bestand, war dieser Teil einfach überflüssig. Manch einer wird sich jetzt vielleicht fragen, warum ich mein Profil jetzt wieder geöffnet habe? Ganz einfach – wenn erstmal alles im Nirwana verschwunden ist, kann niemand die Worte zurückbringen, die geschrieben wurden – und da ich nun mal ein sentimentales Weib bin, kann ich nicht gehen, ohne zu sichern was mir lieb und teuer ist.

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11 Kommentare

  1. mich erinnert es an die Erklärung zur Entstehung des Begriffes "Sweetheart", die ich mal gelesen habe; im Web ist sie nicht zu finden, also erzähle ich es aus der Erinnerung, so ungefähr. Achtung, kleine Märchenstunde. Sitzt du bequem? Taschentücher griffbereit?Es war einmal ein Paar, ein Mann und eine Frau, die sich sehr liebten. Sie schworen ewige Liebe, schenkten einander ihr Herz und konnten darum nicht mehr ohne einander sein. Trotzdem geschah es eines Tages, daß der Tod nicht beide miteinander holte, sondern nur den geliebten Mann. Die Frau bettelte und flehte, ihr den Leichnam zu lassen, aber der Pfarrer und der Arzt bestanden darauf, daß alles den Vorschriften gemäß zu geschehen hatte: der Verstorbene gehörte der Erde übergeben.In ihrer Verzweiflung erschien der Frau die Vision ihres geliebten Mannes, der ihr einen Rat gab. Sie bat also den Priester, sich ja gleich daran zu machen, eine besonders schöne Predigt auszuarbeiten und hielt den Arzt zurück, da sie sich selbst so schwach und elend fühlte, er möge sie beraten …. Als der Pfarrer sich verabschiedet hatte, eröffnete die Trauernde der Vision gemäß dem Arzt, daß er noch etwas für sie tun müsse: nämlich das Herz des Verstorbenen dürfe nicht mitbeerdigt werden, schließlich habe ihr Geliebter es ihr geschenkt. Sie war so beredt und überzeugend, und der Arzt überwältigt von ihrer Liebe, daß er ihr versprach, das Herz nach allen Regeln der Kunst mit duftenden Kräutern und in Zucker einzubalsamieren und ihrer Obhut zu überlassen. So geschah es und sie ließ von einem Goldschmied eine reichverzierte, herzformige goldenen Kapsel fertigen, in der sie das Herz ständig an einem Band umgehängt bei sich trug. Wenn einmal jemand Neugieriges sich erkundigte, was es mit diesem Schmuckstück auf sich hatte, antwortete sie: "It’s my sweetheart, you know?"

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  2. Liebe Puzzle … ich danke dir für diese schöne Geschichte … wenn auch etwas makaber. Aber allein die Vorstellung einer solchen Liebe … es ist ja schon fast wie im wahren Leben … wenn man jemanden über alles liebt, hat man schon den Wunsch in ständig bei sich zu tragen. Klar … realistisch gesehen müssen dann halt irgendwelche Gegenstände herhalten – so gehe ich nie ohne mein Zippo aus dem Haus (auch wenn ich weiß, dass ich irgendwo NICHT rauchen kann) und trage noch immer gern seine Klamotten ;-)P.S. Hatte keine Taschentücher griffbereit … aber es ging auch ohne. Bin stolz, dass ich schon seit fast einer Woche keine Träne mehr geweint habe.

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  3. Nachvollziehbar… und natürlich schön geschrieben. Alte Briefe, Mails et cetera bergen immer Potential, im Nachhinein zu überraschen: Was, solche Zeiten und Seiten gab es auch? Wehmut hin oder her – manchmal muss man der Erinnerung auf die Sprünge helfen.

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