Pflegeexodus?

Über die TV-Dokumentation Die Krankenfabrik am 19. Januar 2008 auf 3Sat

Krankenschwestern haben keine Lobby – so der Wortlaut einer der Leitsätze dieser Dokumentation. Dieser Leitsatz geisterte schon in den 80ern durch die Medien – respektive vielmehr durch die Fachmedien. Damals ging es um Interessenvertretung, Anerkennung als eigenständige Berufsgruppe (weg vom puren Helfer-Status), Gehälter, Arbeitszeiten etc., während es heute um viel gravierendere Dinge geht – primär um den Pflegenotstand. Ich habe diese Dokumentation mit Interesse verfolgt. Erfreulich, dass die Realität schonungslos und ungeschminkt dargestellt wurde und der Patient als Leidtragender der ganzen Misere ganz klar hervorgehoben wurde. 50.000 abgebaute Stellen seit 1995 sprechen wohl eine mehr als deutliche Sprache. Nicht etwa, dass es an Pflegekräften fehlt – nein, die Gelder werden zugunsten der Verwaltung und des Managements verteilt und das konnte in Zeiten von Fall-Pauschalen und Pflegedokumentation nicht lang gut gehen. Interessant finde ich, dass sich Gesetzgeber und Verbände gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, aber was will man auch anders erwarten? Doch was nutzt das Hin- und Herschieben von Verantwortung, wenn niemand nach den Leidtragenden fragt? Und zwar nach den Leidtragenden auf der einen und der anderen Seite des Bettes! Ich bin froh, dass ich nicht mehr auf der einen Seite des Bettes stehen muss – mein Idealismus, der mich vor über 25 Jahren dorthin getrieben hat, ist längst verschwunden – aber mir graut davor im Krankenhausbett zu liegen und diesem System ausgeliefert zu sein!

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