Maikäfersuppe


 

Gestern Nachmittag hatte ich eine nette kleine Unterhaltung mit meinem Lieblingsitaliener. Er pfiff vor sich hin als hätte er ein Singvögelchen gefrühstückt und so landeten wir beim Thema regionale Spezialitäten. Er fragte mich, ob ich denn wüsste, was eine hessische Spezialität wäre. Ich tippte direkt auf grüne Soße, aber er verneinte und wollte mir weismachen, dass die grüne Soße eine Erfindung der Römer wäre. Ob das nun stimmt? Schlimmer noch – er erzählte mir, dass die Maikäfersuppe eine hessische Spezialität sei, worauf ich in ungläubiges Gelächter ausbrach.

Lange Rede, kurzer Sinn – habe das dann doch mal gegoogelt und bin bei Wikipedia prompt auf diese Aussage gestoßen: Maikäfersuppe gehört zu den wenigen in Europa verbreiteten Insektengerichten und war bis Mitte des 20. Jahrhunderts zumindest in Deutschland (Nordhessen) und Frankreich geschätzt. Der Geschmack soll an Krebssuppe erinnern. (…) Wenige Klicks später hatte ich auch das passende Rezept gefunden.

Man fängt die Maikäfer, von denen man 30 Stück auf eine Portion nehmen kann, frisch ein, tödtet sie, löst ihnen die hornartigen Flügeldecken ab und zerstößt sie, nachdem sie sorgfältig gewaschen, in einem Mörser.

Dann thut man ein gutes Stück Butter in eine Casserole, und wenn dieselbe steigt, die gestoßene Masse hinein und läßt sie 1/4 Stunde darin rösten. Dann giebt man leichte Bouillon darauf, am besten Kalbfleischbrühe und läßt sie 1/2 Stunde damit kochen. Wenn dieselbe durch ein Haarsieb gegossen, schwitzt man 2 Löffel Mehl in Butter, giebt es zur Suppe, läßt diese damit glatt kochen und zieht sie kurz vor dem Anrichten mit einigen Eidottern ab.

Wenn man nur leichte Boullion zu dieser Suppe nimmt, wird dieselbe doch durch die Maikäfer kräftig und wohlschmeckend, so daß man nicht versäumen sollte, in der Jahreszeit, wo es Maikäfer giebt, dieselben auszunutzen. Warum man vor dem nicht unschönen Maikäfer bisher Abscheu empfand, ist nicht erklärlich, da man doch Krebse verspeist, die weniger appetitlich aussehen.

Maikäfersuppe ist der Krebssuppe ähnlich, nur kräftiger und wohlschmeckender.

Aus: „Bertha Heydens Kochbuch oder gründliche Anweisung, einfache und feine Speisen mit möglichster Sparsamkeit zuzubereiten, unter besonderer Berücksichtigung der Fortschritte, die in der Chemie gemacht sind.” 18. Auflage –  Erstauflage von 1880.

 

Na dann erübrigt sich ja die Frage, was ich heute kochen soll. Fragt sich nur, wo ich so ’ne Menge Maikäfer einfange und wie ich sie am besten ins Jenseits befördere??? ;-)

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12 Kommentare

  1. Tja… in der Not…frißt der Teufel auch Fliegen… oder Maikäfer…Moment…ich hab da doch so ein Buch…"Überleben in Natur und Umwelt"… von Maikäfern steht da jetzt nichts drin, nur das Heuschrecken, Larven, Raupenarten, Puppen und Ameiseneier bei vielen Völkern als Leckerbissen gelten… aha…wußtest du das Eidechsen am Schwanz und Hinterteil das beste Fleisch haben? Man kann es in Fett braten oder auch in Wildgemüsesuppen kochen… ;-)

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  2. Tja Mr. Haven … laut Rezept müssen die Maikäfer ja auch mit einem Mörser zerstoßen werden … vom Anbraten in der Kasserole mal ganz zu schweigen … wo soll man das auch in der Wildnis hernehmen ;-)Dein Eidechsensüppchen klingt aber auch nicht übel. Sag mir Bescheid, wenn du sie kochst und ich komme vorbei :-D

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  3. klingt lecker ;-)))@Tina….brat lieber den Wachtelkönig – damit endlich die Autobahn fertig wird und man nich mehr über die B73 eiern muß "breitgrins"@Anette….lg…Micha

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  4. Black-Troll??? Was bist denn du für einer? Hinterlässt suspekte Nachrichten auf unzähligen Profilen … hmm … aber okay … ich nehm dann mal den Gruß ;-)

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  5. Moin Tina … habe dann gestern doch nix mehr gefangen und es vorgezogen mich zum Essen einladen zu lassen :-DMaikäferrouladen??? Schätze mal, die Tierchen sind dann doch etwas zu klein dafür … aber vielleicht könnte man sie als Füllung verwenden … als Variation für Kohlrouladen zB ;-)P.S. Schönes Bild ^^ … fehlt nur noch der Maikäfer auf der Servierplatte *lach*

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  6. Maikäfersuppe hat den "Ruf" eines Kriegs- und Notzeitengerichts, Armeleuteessen etc.´, genau wie in umweltgesünderen Zeiten die Flußkrebse – meine Oma, als doppelt kriegs- und notzeiterfahrenes Landkind, kannte die und hat sich immer geschüttelt bei dem Gedanken, wie die sich beim Sammeln mit ihren Klammerfüßchen in die Haut der Hände hineingekrallt haben. Die aus Schokolade, die man früher zu Pfingsten bekam, waren wenigstens ohne Kochen genießbar ^^Danke für deine Trostworte übrigens – ich warte noch auf meine PC Wunderheiler und lese mich stattdessen durchs Bücherregal statt durch die Spaces. LG :-)

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  7. Huhu Puzzle … schön, dass du mal wieder vorbeischaust ^^ Hatte mir schon gedacht, dass dein PC scheinbar doch ein ernsthaftes Problem hat. Durchs Bücheregal lesen ist ja nicht das Schlechteste und – wie ich finde – auch mal eine ganz gute ‚Übung‘ ;-)Hat deine Oma denn auch erwähnt, wie die Tierchen ins Nirwana befördert wurden? Wir haben gestern noch drüber sinniert, wie man das wohl anstellen könnte und sind letztendlich beim Chloroform gelandet *g*Liebe Grüße auch an dich und viel Spaß beim schmökern :-)

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  8. Maikäfer und Marienkäfer habe ich früher immer verwechselt. Von meiner Oma wusste ich aber, dass Maikäfer eine echte Plage waren, und die Kinder schulfrei bekamen, um die zu fangen. Nunja scheinbar mit Erfolg, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Maikäfer gesehen. Marienkäfer schon, aber bis man von denen einen Teller zusammen hat. Ach und das töten? Entweder die brachiale methode, also mit dem Schlappen drauf, was für zarte Gemüter vielleicht nicht so das wahre ist. Ich persönlich kratze mein Abendessen nicht gerne von den Sohlen meiner Schuhe ab, oder die lieben Tierchen in einer geschlossenen verpackung in die Mikrowelle. die ploppenden Geräusche erinnern dann an das zubereiten von Mikrowellen-Popcorn (und riecht auch so lecker), oder wie die Krebse, Langusten, etc. ab ins Wasser und unter dem Kochtopf die Flamme auf das Maikäfer-Symbol stellen… Gutes gelingen ;-)

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  9. Ohne Käferchen kein gutes Gelingen ;-( Du hast das Problem völlig richtig erkannt … man sieht ja keine Maikäfer mehr und erschlagen könnte ich sie vermutlich auch nicht. Praktisch wären TK-Käfer … aber woher nehmen?Gepoppte Maikäfer aus der Microwelle??? Doc … du bist echt pervers :-D

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