Unfähig, ehrlich zu sein

Gedicht von Kristiane Allert-Wybranietz ~
Aus: Du sprichst von Nähe

 

Vor mehr als 20 Jahren hab ich es mir mal aus einem Gedichtband kopiert, der mir nicht gehörte. Es passte damals perfekt zu meiner unerfüllten Verliebtheit in meinen besten Freund. Ich hab es all die Jahre aufbewahrt – viele Jahre hing es eingerahmt an wechselnden Wänden und ist mehrmals mit umgezogen. Zwischenzeitig war es gemeinsam mit anderen Bildern eingelagert, bis es nach meinem letzten Umzug irgendwann mal ohne Rahmen an einem Balken landete. Dort hat es viele Jahre gehangen, bis ich es vor ein paar Monaten abgenommen habe, weil es inzwischen ziemlich unansehnlich war und mich die vielen Flecken nur an diesen Psychopathen erinnert haben, der mir in der Nähe des Blattes wohl mal irgendwas ins Gesicht geschüttet hatte. Es landete auf dem Schrank und ich hatte es schon fast vergessen, aber gestern hab ich irgendetwas auf dem Schrank verschoben, so dass es sich halb aufgerichtet hatte und ich es heute wiederfinden musste. Ein kurzer Moment der Erinnerungen, als ich es wieder in der Hand hielt, und ich wollte es eigentlich direkt entsorgen. Hmm – hab es aber dann doch mal eingescannt, mal kurz wieder an W. gedacht und dann hab ich es weggeschmissen ;-)

P.S. Auch wenn wir uns nur noch sehr selten sehen – Freunde sind wir immer noch.

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12 Kommentare

  1. Ja, da muss ich mich Cyntias Gedankengängen anschließen…Er schüttet dir "irgendwas" ins Gesicht, und du nennst Ihn trotzdem noch einen Freund?Erinnert mich stark an eine Exfreundin, die es auch brauchte von ihrem Ex geprügelt zu werden, und mich (wahrscheinlich wegen meiner Weigerung Frauen zu schlagen) nach kurzer Zeit wieder verliess, um sich wieder von Ihm verprügeln zu lassen… :-(

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  2. Sorry, wenn das etwas unklar rüber kam. Nee … W. und der Psychopath sind nicht identisch und mit dem Psycho bin ich natürlich auch NICHT mehr befreundet – hatte aber mit dem in der Tat eine Beziehung, die ich jedoch nach ein paar Monaten beendet habe. Seit dem habe ich zum Glück Ruhe vor ihm!

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  3. Etwas wie die im Gedicht geschilderten Gefühle kennen vermutlich die meisten. Daß man solche gerahmten Stücke lange mit sich herumzieht, weil sie einem immernoch etwas sagen, auch. Sogar das Verschwinden und Wiederauftauchen, das Entsorgenwollen und dann doch nochmal Aufheben, um sich diesmal bewußt davon zu verabschieden, das kenne ich. Darum: Hat dich eigentlich nie jemand nach dem Gedicht gefragt?

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  4. Interessant, dass du danach fragst. Vorhin beim Schreiben hatte ich wirklich den Gedanken, dass es eigentlich schon seltsam ist, dass nie jemand danach gefragt hat. Es ist mit durch meine Ehe gegangen und durch andere Beziehungen – womit ich nicht nur Liebesbeziehungen zu Männern meine. Viele haben es sicher gesehen … manche vielleicht (oder bestimmt?) auch gelesen, aber in all den Jahren hat wirklich niemand – ob männlich oder weiblich – gefragt.

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  5. @ Doc: Nachdem ich mir grad noch mal verinnerlicht habe, was du gestern kommentiert hast, muss ich wohl doch noch was klarstellen. Du schreibst: Erinnert mich stark an eine Exfreundin, die es auch brauchte von ihrem Ex geprügelt zu werden… , wobei mir grad das Wort auch bewusst geworden ist. Ich bin nicht geschlagen worden – weder von dem Psycho, noch von sonst jemand. Er hat mich körperlich bedroht … ja … aber das war unmittelbar nach dem ich die Beziehung beendet hatte und da war ich nicht allein mit ihm. Das war wiederum kein Zufall, sondern mehr oder weniger Berechnung meinerseits. Ich wusste schon vorher, dass ich da körperlich unbeschadet nur rauskomme, wenn ich einen Freund im Rücken habe, der im Notfall einschreitet und so war es dann auch. Ich würde NIE zu einem Menschen zurückkehren, der mich geschlagen, verprügelt, oder sonstwie körperlich attackiert hätte!@ Puzzle: Klar … warum nicht? Aber du kennst ja die Männer – die meisten müsste man vermutlich geradezu mit der Nase draufstoßen, bevor da was käme ;-) Manche denken vielleicht gar nicht daran, dass sich da ein tieferer Sinn hinter verbergen könnte, oder sie wollen es schlicht und ergreifend einfach gar nicht wissen, weil es augenscheinlich Vergangenheit ist.

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  6. Ich habe solche Dinge nicht mehr, alles entsorgt. Spätestens beim letzten Umzug….alles Ballast. Das passt zu Puzzles letzten Blog…..man möchte abschliessen und es geht irgendwie nicht richtig. Und, selbst wenn solche materiellen Erinnerungen weggeworfen würden…im Kopf sind sie immer noch.

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  7. Im Kopf sind die Erinnerungen noch, aber wenn man erstmal soweit ist, daß man ihnen keine Andachtsecke mehr in der Gegenwart eingeräumt hat, werden die Stimmchen immer leiser.

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  8. Ach ihr Lieben … mit diesen Beiden habe ich doch längst abgschlossen. Mit jedem auf seine Art – der eine ist mein Freund geblieben und der andere kann mir gestohlen bleiben. Da sind keine Fragen offen geblieben.

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