Ronny


 

Seit 2003 ist Ronny mit Katha zur Schule gegangen und bis vor einigen Tagen haben sie noch gemeinsam im Mathekurs gesessen. Vorgestern blieb sein Platz leer. Anstatt Mathe zu pauken haben alle aus dem Kurs Kerzen mitgebracht und angezündet – Kerzen für Ronny, der am Pfingstmontag gestorben ist. Die Nachricht von seinem Tod kam Dienstagmorgen. Zuerst wusste ich nur, dass sich Jemand aus Katha’s Jahrgangsstufe das Leben genommen hatte, kurz später dann den Namen. Mir fehlten sämtliche Worte – ich wusste nicht mal, was ich zu meiner eigenen Tochter sagen sollte. Es ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann – das eigene Kind zu verlieren und dann noch auf solche Art. Ich konnte den ganzen Tag an nichts anderes denken – unvorstellbar, wie es für eine Mutter sein muss ihr Kind tot aufzufinden. Tagelang die Frage nach dem warum, auf die scheinbar niemand eine Antwort wusste. Gestern fand die Trauerfeier statt und seitdem ist es traurige Gewissheit, dass es kein Suizid war, sondern ein tragischer Unfall – er hat den Kick gesucht und mit seinem Leben bezahlt.

Katha war gestern nur noch fertig. Irgendwann hat sie aus lauter Verzweiflung Muffins gebacken, weil sie etwas tun musste um sich abzulenken. Wir haben abends zusammen gesessen – gegessen, viel zu viel Wein getrunken (ich), in alten Jahrbüchern geblättert, über das Thema gesprochen und über den Tod im Allgemeinen. Irgendwie fehlen mir immer noch die Worte…

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5 Kommentare

  1. Leider ist das ein typisches Alter, in dem vor allem junge Männer plötzlich den Tod in die Reihen der 16-25jährigen bringen, die ihn bis dahin als etwas ignorieren konnten, das nicht neben ihnen sitzen, mit ihnen feiern kann. Ich erinnere mich an meine letzten Jahre im Gymnasium und wir haben schon Jahrzehnte zuvor dasselbe erfahren müssen: Motorrad-, Auto- und Drogen-Abenteuer sind gesuchte Risiken, die besonders junge Männer herausfordern. Schockierend ist das bestimmt, aber – prosaisch gesagt – wäre ich als betroffene Mutter bei aller Trauer doch sehr erleichtert, daß es kein Selbstmord war, der mir dramatisch sichtbar gemacht hätte, daß ich bei meinem Kind "außenvor" und mit ihm unfähig zur Kommunikation gewesen wäre. – Nimm die Frage übel, wenn du mußt, aber es ist nicht bös gemeint: Warum hast du ausgerechnet bei der Bewältigung eines Drogentodes zuviel getrunken?

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  2. Das ist eine gute Frage von Puzzle… wobei ich jetzt Wein nicht mit harten Drogen gleichsetzen möchte… aber bekanntermaßen macht ja die Dosis das Gift… und so gesehen war ich in diesem Leben auch schon öfters giftig… ;-)

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  3. Nee … ich nehm die Frage nicht übel und es steht mir ja frei auf Fragen nicht zu antworten, wenn ich nicht möchte ;-) Eins vorweg: Es handelt sich hier nicht um einen Drogentoten und bei dem Thema, über das wir an dem Abend gesprochen haben, vielmehr um eine Sache, die sich, aus Amerika kommend, über Frankreich inzwischen auch zu uns ausgebreitet hat. Menschen, die den Kick suchen, indem sie sich selbst strangulieren.Dass ich den Abend ein bisschen zuviel Wein getrunken habe, war keine Absicht und ist folglich nicht mit dem Vorsatz geschehen mich zu betrinken. Vielleicht kennt ihr das ja selbst… man ist intensiv im Gespräch, trinkt nebenher und wenn man nicht grad selbst die Gläser nachfüllt, wirds manchmal schonmal mehr, als man eigentlich trinken wollte. Es war natürlich nicht Katha, die die Gläser zwischendurch nachgefüllt hat – sie trinkt auch generell keinen Wein.

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  4. hm. ich wußte zuerst gar nicht, wie ich Ronny hätt kommentieren können. eija. ich kann mir aber jetzt vorstellen, dass is für alle jetzt eine schwierige Situation. hm. danke für deinen Kommentar, Anette. AG Claus

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