Straffreiheit für Palliativmediziner

The creation of Adam
 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. […]

Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

So steht es in Artikel 1 und 2 unseres Grundgesetzes. Dieses Recht auf körperliche Unversehrtheit schließt meiner Meinung nach das Recht auf Schmerzfreiheit, resp. Schmerzlinderung mit ein. Sollte man meinen. Jeden von uns kann es treffen – jeder von uns kann krank werden, auf Schmerzmittel angewiesen sein, manchmal leider auch auf sehr starke, sprich: Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, wie zB Morphium.

Ärzte verordnen solche Medikamente, verschreiben sie und verabreichen sie – egal ob Kliniker, niedergelassene Ärzte, oder eben speziell ausgebildete Palliativmediziner. Ihre Pflicht und Berufung ist es zu heilen, zu helfen und – wenn keine Heilung mehr möglich ist – zumindest Schmerzen zu lindern. So soll es sein – oder besser so sollte es sein?

Heute stieß ich bei Medizynicus auf den fiktiven Fall einer krebskranken Patientin im finalen Stadium, deren behandelnder Arzt nach einer notfallmäßigen Schmerzbehandlung in der Nacht angeklagt wurde und im Gefängnis landete. Er hatte der Patientin nicht nur Morphium vor Ort verabreicht, sondern noch ein paar Tabletten zur Selbstmedikation an die Patientin ausgehändigt – damit hat er sich vor dem Gesetz strafbar gemacht.

Desweiteren verweist dieser Artikel auf eine Petition, die darauf abzielen soll genau diesen Missstand abzuschaffen und Medizinern die Befugnis erteilen soll in solchen Ausnahmesituationen betäubungspflichtige Medikamente abgeben zu dürfen.

Dieser Fall der krebskranken Patientin ist laut Medyzinicus erstunken und erlogen – aber es gibt auch einen wahren Fall. Den, des Palliativmediziners  Thomas Sitte (Vorstandsvorsitzender der deutschen Palliativstiftung). Er versorgte zweieinhalb Jahre eine Krebs-Patientin. Er schenkte ihr noch Zeit und etwas Lebensfreude, überließ ihr auch immer wieder Schmerzmittel an Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht. Die Patientin verstarb im Frühjahr 2009. Kurz danach leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Thomas Sitte ein, der als Pionier der Pallitativmedizin in ständigem Dialog mit dem Gesundheitsministerium stand – was ihm letztendlich zum Verhängnis wurde.

Quelle: http://www.wdr.de

Zur Monitor-Sendung vom 27. Januar 2011 (Bericht über Thomas Sitte und den Fall)

Die bereits erwähnte Petition wurde von der deutschen Palliativstiftung an den deutschen Bundestag gerichtet (16. Januar 2011). Für eine Anhörung vor dem deutschen Bundestag werden insgesamt 50.000 Unterschriften benötigt – bis dato gibt es gerade mal gut 4000 Mitzeichnende. Jeder, der diese Petition unterstützen möchte kann mithelfen in dem er die Petition unterschreibt, oder auch einfach nur die entsprechenden Links an Freunde und Bekannte weiterreicht oder sonstwo publiziert und öffentlich macht, damit vielleicht auch andere Interessierte davon erfahren. Falls jemand meiner Leser zur Verbreitung beitragen möchte, sind Re-Blogs und Trackbacks in diesem Fall herzlich willkommen :-)

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4 Kommentare

  1. Hallo, danke für die Verlinkung.
    Danke auch für den Hinweis auf den Kollegen Sitte. Woher hast Du die Info, dass der vor Gericht steht?
    Die Sendung kann ich nicht sehen und bei Gooogle finde ich auch keine weiteren Presseberichte hierzu (abgesehen davon dass der Kollege wohl sehr rührig ist, was die Problematik angeht…).

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    1. Bitte – gern geschehen.

      Über das Forum auf der Petitionsseite habe ich den Verweis auf diese Monitorsendung vom 27. Januar erhalten (siehe Link). Daraus geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft in der Tat ein Verfahren eingeleitet hat, das aber dann wieder eingestellt wurde.

      Werde ich gleich korrigieren – eingeleitetes Verfahren und NICHT Anklage. Aber wie auch immer – lt. Staatsanwaltschaft Fulda droht ihm im Wiederholungsfall durchaus eine Anklage und somit auch eine mögliche Verurteilung.

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  2. Hab ich schon lange mitgezeichnet.

    Eines Tages werden die einen Suizidversuch Überlebenden auch noch verurteilt, wegen versuchter Körperverletzung mit Todesfolge – und müssen ALLE kosten für Reanimation usw. selbst tragen (obwohl sie nicht reanimiert werden wollten).

    Sehr bescheuerte Gesellschft.

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    1. Hätte ich diese Monitorsendung im Januar gesehen, hätte ich das auch schon früher getan und über unser kränkelndes Gesundheitssysthem möchte ich mich jetzt grad gar nicht auslassen – ein Fass ohne Boden (meines Erachtens) und wenn ich damit einmal anfange, komme ich aus dem Echauffieren nicht mehr raus. Denke, da bleibt nicht viel mehr zu tun, als Aktionen zu unterstützen, die einem wichtig erscheinen (wie zB durch solche Petitionen, Demos etc.) und Abzockerei soweit wie möglich zu umgehen. Ich bin nur froh, dass ich noch einigermaßen jung und fit bin und dieser Gesundheits (oder besser Krankheits-?)Maschinerie nicht so hilflos ausgesetzt bin, wie manch alter oder sehr kranker Mensch, der vielleicht auch noch ganz allein da steht.

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