Du nervst


 

geh sterben!

Gereizt?

Manchmal schon. Oder besser genervt!? Es gibt ja Tage, da nervt einen die buchstäbliche Fliege an der Wand – manchmal auch ganz reelle Exemplare, wie die da oben. Kennt ihr bestimmt. Da ist genau eine einzige Fliege in der Wohnung und die hält sich 100%ig dort auf, wo sie kein Mensch brauchen kann. Penetrant und nervtötend schwirrt sie um uns herum und ist nur schwerlich davon abzubringen. Verscheuchen hilft nur kurzfristig und vor der ultimativen Endlösung schreckt man oft zurück – man ist ja Tierfreund, oder sie ist noch nicht nervig genug.

Aber es ist nicht die Fliege an der Wand, die mich heute nervt und auch nicht jene auf der Tastatur. Es ist auch weniger Gereiztheit oder Genervtheit – eher Hilflosigkeit. Ich fühle mich in eine Situation gepresst, die ich mir nicht ausgesucht habe. Ich fühle mich dazu verdammt die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, weil ich nichts, aber auch gar nichts tun kann. Ich hasse es in eine solche Lage gebracht zu werden. Ich hasse es kaltgestellt und/oder manipuliert zu werden. Ich hasse es wenn man mich warten lässt und ich hasse es, wenn Dinge nicht ausgesprochen werden.

Ich, ich und wieder ich – bin ich egoistisch? Oder ist es mehr ein Schrei, dass ich grad nicht klarkomme? Dass ich absolut unfähig bin mit dieser Situation umzugehen? Hass ist auch nicht wirklich das richtige Wort – vielmehr macht es mich sehr traurig. Man sollte sich von Dingen befreien, die einen traurig machen – aber das ist oft leichter gesagt als getan.

 

Aus aktuellem Anlass, respektive meinem ersten Kommentar, noch ein paar Retros:

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15 Kommentare

  1. mein Verständnis hast du – wir müssen schließlich in uns wohnen, und wo sonst, wenn es da drinnen ungemütlich ist, weil wir innerlich mit Sachen werfen und gegen die Möbel treten … bildlich gesprochen fühlt sich das jedenfalls dann so an, finde ich. Die Frage ob das schlecht, egoistisch oder kindisch ist, ist nachranging. Nur über den „kindischen“ Aspekt denke ich dann sehr wohl nach. Für mich zumindest liegt da oft die Ursache für dieses hilflose innere „Randalieren“. Hast du das eigentlich als Kind gemacht? oder dürfen? Viele können war die Sache mit dem inneren Kind und inneren Erwachsenen als Denkmodell schon nicht mehr hören, aber für mich gibt es kein besseres Konzept, mir selbst auf die Spur zu kommen. Und zm Beispiel zu hinterfragen, wer mir eigentlich in diesem Konzept in der Erwachsenenrolle tatsächlich meine Anleitungen einflüstert: bin ich es wirklich selbst? oder wen höre ich da? Selbst der Rat, sich von Dingen zu befreien, die traurig machen, ist mir zu vordergründig, wenn ich nicht überzeugt bin davon, daß ich genau weiss, weshalb es mich traurig macht. Das kann soviele Gründe haben, das ist schon einen zweiten und dritten Blick wert, sonst habe ich es immer wieder, und stelle irgendwann fest, daß nicht der Auslöser der Verursacher war, und das erst bei einem weiteren Exemplar ähnlicher Art.

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    1. Gute Frage, ob ich das als Kind auch gemacht habe, aber ich kann mich erinnern, dass auch früher schon Dinge totgeschwiegen wurden – dass Andere diesen Dingen vermeintlich gleichgültig gegenüberstanden und das manchmal um des lieben Frieden willens geschwiegen wurde. Meine Mam war immer sehr auf Harmonie bedacht – sie konnte es nur schwer ertragen wenn es zu offenen und meist lautstarken Konfrontationen kam. Ob da jetzt ein direkter Zusammenhang mit meinem ‚inneren Randalieren‘ zu sehen ist, kann ich nicht beantworten, aber diese ‚Harmoniesucht‘ hat sie wohl an mich weitergegeben – wenn ich auch offenen Konfrontation nicht scheue (ganz im Gegenteil!), so kann ich es nicht ertragen wenn gebrüllt wird. Das empfinde ich als verletzend und respektlos. Atribute, die ich automatisch mit meinem Vater in Verbindung bringe. Es hat mich schon früher zur Verzweiflung getrieben und das tut es heute auch noch. Ich kann es nicht verstehen und nicht nachvollziehen, wie man sich gegenüber Menschen, die man vermeintlich liebt, gleichgültig, respektlos und verletzend verhalten kann. Ob jemand brüllt oder schweigt, macht für mich keinen großen Unterschied. Er hat nach unserem Bruch bis zum Schluss geschwiegen – nicht ein einziges Es tut mir leid und kein einziges Zugeständnis an die eigene Fehlbarkeit. Auch das macht mich heute noch traurig und wütend – sicher mit ein Grund, warum ich heute in ähnlichen Situationen genauso reagiere wie damals. Schweigen konnte ich noch nie – schon früher habe ich mir Luft verschafft, wenn auch auf andere Art. Aber die direkt Betroffenen hat es nie erreicht. Es gibt ja dieses nette Sprichwort – Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Ich habe Gold nie als besonders wertvoll oder attraktiv empfunden. Irgendwo hatte ich da auch mal was verbloggt – muss mal schauen. Ich weiß nur, dass es für meinen Vater und mich schon lange zu spät ist – nicht aber für Andere.

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  2. das paßt.
    ein bißchen daran ist ähnlich zu meinen Erfahrungen, bloß daß ich anscheinend schon als Baby lernen mußte, daß keiner kommt, wenn ich schreie, und daß ich es ebensogut lassen kann: habe den Berichten der Eltern zufolge „brav“ während meiner ersten Lebensmonate im Kinderwagen im Garten gestanden und wurde (nach Willenmeines Vaters) ausschließlich nach der Uhr betreut. Wahrscheinlich auch ein Grund für meine Rebellion gegen Zeitmaß und Leben nach Kalender etc. Meine mutter hat erzählt, sie, sie ganz anders groß geworden war, hätte immer am Fenster gestanden und sich nicht gegen seinen Willen rausgewagt … Ich glaube, ich hätte meinem Mann bei so einer Idee so gründlich die Meinung gesagt, daß er gewünscht hätte, er wäre ohne Ohren geboren, oder am besten gar nicht. Aber so ging das die nächsten Jahrzehnte weiter, bis zum Rausschmiss, wegen Widersetzlicheit meinerseits. Pfff… ich war nur auf eigene Faust umgezogen, um von dem lieben angeheirateten Onkel, neben dem ich während des Studiums wohnen sollte, nicht länger belästigt werden. Daß er sich schon vergriffen hat, als ich noch klein war, wollte ja keiner glauben.
    und eine Aussprache mit Einsicht ist nie erfolgt.
    Bevor er starb, hatte er mir dann auch zu leid getan, um ihn noch zusammenzufalten, wo ich es gekonnt hätte. Kurz zusammengefaßt könnte man sagen, wir reagieren beide auf ein starkes Muster mit einer gewissen hilflosen Verzweiflung, wenn es uns begegnet. Vielleicht ein Grund, warum ich nie leichtherzig minderernsthafte Beziehungen hatte und mich bei Konflikten, erstmal zurückziehe bis der andere ein Signal gibt, daß ihm etwas daran liegt. Wahrscheinlich kein Zufall, daß ich meineseits ein Händchen für Männer zu haben scheine, die andererseits abweisende Mütter in ihrem Kopf haben, und daher eine andere Art haben, mehr Wünsche als Ansprüche – ihre Rettung in meinem Fall. Das jönnten wir stundenlang ausführen, hm?

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    1. und Stunden damit verbringen, Rechtschreibkorrekturen zu erbitten und vorzunehmen. Wenn ich emo bin, ist es mir aber wurscht. so. sagte ich schon mal, daß mein Vater pingeliger Deutschlehrer war? ;D

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    2. Du erwähntest es – ja – und deswegen werd ich es jetzt selbstredend unterlassen etwaige Fehlerchen zu korrigieren. Will ja nicht dein Kindheitstrauma noch weiter nähren. Wir hatten das ja schon mal via E-Mail – wenn ich recht entsinne Ende 2008, als ich noch ziemlich frisch bei WL war. Du erinnerst dich? Wir waren ziemlich schnell auf den gemeinsamen Nenner der ziermlich gespaltenen Vater-Tochter-Beziehung gekommen. Damit bin ich für meinen Teil bis heute nicht durch (denke, du auch nicht) und du könntest durchaus recht haben, dass sich da gewisse Erfahrungen in aktuellen Situationen widerspiegeln. Ich erlebe heute die gleiche Ohnmacht wie damals bei meinem Vater, wenn er partout nicht mit sich reden lassen wollte. Dabei wollte ich einfach nur verstanden werden – wollte einfach nur, dass sich mein Gegenüber mal Gedanken macht, warum ich wie agiere und nicht anders, und nicht gleich alles in Grund und Boden verdammt.

      Vielleicht bin ich auch deswegen heute oft zu schnell bei der Sache, zu voreilig, wenn – meiner Meinung nach – Klärungsbedarf besteht. Glaube, du hattest so etwas in der Art auch kürzlich in einem Kommentar angedeutet. Bei meinem Vater habe ich gewartet und abgewartet, weil ich dachte, es ist an ihm den ersten Schritt zu machen – bis zu seinem Tod, bis es zu spät war. Heute habe ich Angst wieder verlassen zu werden – ohne ein Wort, ohne Klärung und ohne gekämpft zu haben für das was mir wichtig ist. Ja, es könnte vermutlich noch Ewigkeiten so weitergehen – wir ziehen uns immer mehr aus, bis wir irgendwann ohne Hemd dastehen ;-)

      P.S. Nach deinem ersten Kommentar habe ich glatt noch ein paar Retros nachgelegt – einfach nur, weil meine Gefühle damals ähnlich (wenn nicht gleich) waren wie heute.

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    3. ja, ich erinnere mich auch daran. übrigens habe ich insgesamt die Erfahrung gemacht, am besten von Menschen verstanden zu werden, zu denen keine verwandtschaftliche oder ähnlich tabulastige, harmoniverpflichtende Verbindlichkeit besteht.

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    4. Es bleibt also nichts, als auf Verständnis zu hoffen und vielleicht auch ein Stückchen weit auf Einsicht. Es fällt mir unsagbar schwer die Hände in den Schoß zu legen und nichts zu tun, aber da muss ich wohl jetzt durch.

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    1. mir hätte die Formulierung auch so gefallen:
      „Wahrscheinlich hat sie auf der dreckigen Tastatur genug gefunden wo sie ihren dreckigen kleinen Rüssel reinstecken konnte“ :D

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