Tag 11 – Gründonnerstag


 

Eigentlich wollte ich nicht damit anfangen Tage zu zählen. Das hatten wir doch schon einmal – Tage, Wochen, Monate – und es ändert sich nunmal dadurch rein gar nichts. Aber heute geht’s mir irgendwie richtig sch**ße. Nein – eigentlich gestern schon. Dieses Schwanken zwischen fast schon beängstigender Gelassenheit, Rastlosigkeit und Gereiztheit. Letztere richtete sich gottlob nur gegen nervtötende Verwandschaft – die kriegen es einfach nicht gebacken trotz ausreichen vorhandenem Platz ihren Kleinwagen so zu parken, dass Andere das Grundstück auch noch verlassen können und gestern hat mich dieser Egoismus (oder pure Unfähigkeit?) fast auf die Palme gebracht.

Vorgestern habe ich mich noch einem Blumenstrauß belohnt, weil ich fast eine Woche keine Träne vergossen hatte und gewillt war es diesmal gnadenlos durchzuziehen, aber gestern hätte ich schon wieder heulen können. Beim Lieblingsitaliener passierte genau das, worauf ich insgeheim schon seit Tagen gewartet hatte. „Und? Wo ist M.?“ Ich war schon fast versucht zu antworten „M.? Wer ist eigentlich M.???“ – beließ es aber dabei zu sagen, dass ich keine Ahnung hätte und habe irgendwas von Abflug gefaselt. Glaube, der Eismann hat die Bedeutung meiner Worte gar nicht wirklich zur Kenntnis genommen.

Abends das obligatorische Nachbarschaftsessen – nett und ungezwungen wie immer. Viel gegessen, getrunken, gelacht und gesponnen wie immer – ein paar Stunden, in denen ich den ganzen Müll fast verdrängen und vergessen konnte. Aber zu späterer Stunde schlich sich doch schon wieder leichte Wehmut ein. Man hat die Feiertage längst geplant – rüstet schon fast zum Aufbruch. Auch in meinen eigenen vier Wänden. Katha wird die Feiertage mit Papa und Familie verbringen, während ich noch völlig planlos bin. Gestern Nacht konnte ich nur schwer in den Schlaf finden. War es einfach ein Espresso zu viel, oder das üppige Essen? Oder doch schon die Gewissheit, dass ich wieder einmal die Feiertage mehr oder weniger allein verbringen werde? Vielleicht auch eine Mischung aus beidem – aber ich muss mich trotzdem gerade sehr beherrschen nicht zurück zu schauen. Nicht an Zeiten zu denken, wo ich selbst am Gründonnerstag schon in Aufbruchstimmung war, nicht an letztes Jahr, wo wir zumindest noch zu zweit diese Feiertage geplant und erlebt hatten – am besten grad an gar nichts denken!

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3 Kommentare

  1. nachvollziehbar, auch ohne Beziehungsproblematik machen die Leute mittlerweile um ihre geradezu zwanghaften Osteraktivitäten eine genauso zur Gehirnwäsche geeignete Welle wir zu Weihnachten. Man muß ja … Geselligkeit als Maßstab für Erfolg, Beliebtheit und Glück. Andere (Frauen) jammern allerdings, daß alle zuhause herumhängen / extra einfallen, um sich betütern zu lassen – von ihnen natürlich, die dann von den Feiertagen wieder nicht wirklich einen Gebuss haben, und dafür noch ein schlechtes Gewissen.

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    1. So gesehen habe ich ja richtig Glück, dass ich mich um niemanden kümmern muss außer um mich selbst. Blöd nur, dass es schon wieder so verdammt ruhig hier im Haus ist, nachdem inzwischen alle Mitbewohner ausgeflogen sind und essen allein nur halb so viel Spaß macht. Außerdem wird wieder viel zu viel Zeit zum (Nach-)denken bleiben – gar nicht gut.

      P.S. Den Buchstabensalat hab ich einfach mal ignoriert ;-))

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