Vonwegen Wonnemonat


 

Ich muss stark sein!
Ich muss stark sein!
Ich muss stark sein!
Ich muss stark sein!
Ich muss stark sein!
Ich muss stark sein!
Ich muss stark sein!

Ich kann es nicht. Warum kann ich es nicht? Seit einem Jahr heule ich – warum kann ich es nicht einfach sein lassen??? Warum kann ich dich nicht einfach loslassen? Auch wenn ich gerade so tue als ob…

Warum kann ich dich nicht vergessen? Warum kann ich nicht einfach aufhören dich zu lieben??? Ich liebe dich so sehr und darf es dir nicht sagen. Muss so tun, als hätte ich dich abgehakt, dich vergessen, als würdest du mich nicht mehr interessieren. So muss es rüberkommen! Tue es, damit du frei bist, damit du dich nicht unter Druck gesetzt fühlst, damit du den nächsten Schritt aus freien Stücken gehen kannst.

Kann nicht aufhören zu glauben, dass du nur Zeit brauchst und will nicht aufhören zu glauben, dass du nur Zeit brauchst.

Es ist so idiotisch. Nach allem, was du mir angetan hast, müsste ich ganz anders denken. Ich müsste wütend sein, müsste zweifeln … an dir und an allem was war.

Aus meinem Tagebuch ~ Mai 2009

 

Die letzten Tage haben alles wieder aufgewühlt – der Todestag meines Vaters und die Gespräche über Tod und sterben. Es brachte mich auf den Plan über diesen Monat nachzudenken – der Wonnemonat, der zwar wettermäßig im Moment keine Wünsche übrig lässt, aber sonst? Aus meiner Erinnerung heraus und ein paar wenigen Tagebucheinträgen bin ich schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass der Mai in den letzten Jahren nicht wirklich wonnig war – er hatte oft ein bisschen was von sterben; ob es nun das Sterben von Hoffnungen und Illusionen war, oder das Sterben ganz realer Menschen.

Heute vor 11 Jahren wurde mein Vater begraben und heute vor einem Jahr starb Ronny – den ich zwar kaum kannte, aber dessen Tod sehr tragisch und unfassbar war. Auch daran muss ich heute denken – in einer Zeit, die auch, und vor allem, vom Sterben von Hoffnungen und Illusionen geprägt ist.

Vor ein paar Tagen habe ich einen zweiten Anlauf genommen, dieses Buch von Susan Anderson zu lesen. Es gehört mir nicht einmal selbst, aber es liegt schon seit fast 3 Jahren bei mir – eine Freundin hatte es einst gekauft, als sie selbst in einer Trennungssituation steckte, und dann postwendend an mich weitergegeben, als es bei mir selbst soweit war. Damals habe ich nur den Anfang gelesen – ich habe fast nur geheult, während ich las, und es irgendwann wieder beiseite gelegt. Vielleicht war es auch einfach noch zu früh dafür. Später sah ich keine Notwendigkeit mehr es weiterzulesen – warum auch? Aber die Geschichte wiederholt sich – und wenn ich auch bei den ersten Seiten wieder Rotz und Wasser geheult habe, werde ich versuchen es diesmal durchzuziehen. Endgültig.

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15 Kommentare

  1. Wir haben uns ja darüber unterhalten, über die Häufung an traurigen Tagen im Mai, aber mir fiel erst nachher ein, ob nicht der Mai – ähnlich wie die Weihnachtszeit – sehr stark befrachtet ist mit der Erwartung von Lieben und blühendem Leben, und darum deshalb Verluste im Mai besonders stark wirksam sind? Ich weiß nicht, wie es kommt, auch meine Geburtstagslisten haben Schwerpunkte, manche Monate platzen aus den Nähten, andere Monate sind fast leer – ich kenne keinen, der dort geboren ist. So der Mai: vollgestopft mit Geburts- Hochzeits- und Todestagen. Das Gerede vom „Wonnemonat“ hat mich allerdings noch nie tangiert, ob Liebeserwartungen im Mai oder Heile-Welt-Sehnsucht zu Weihnachten: das kommt nicht von uns, nicht aus unserem Inneren, das ist außengesteuert, durch die zahlreichen Hochzeitseinladungen, Anzeigen, Werbebeilagen, die traditionell beibehalten, was früher in der agrarisch orientoierten Gesellschaft einfach praktisch war: geheiratet wurde, wenn es weniger zu tun gab, und das war im Mai, nach der Frühjahrsarbeit und im September, nach der witterungsbedingt vorrangigen Getreideernte.
    Außerdem wußte im April auch in der Vorschwangerschaftstest-Ära jede Unfreiwillige, daß das Faschingsvergnügen Folgen hatte, so daß eilig verhandelt und im Mai schnell geheiratet werden konnte … pah. Das meiste ist praktisch begründet, nicht schicksalhaft.

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    1. Stimmt – man muss es sich wohl nur gelegentlich mal vor Augen führen. Meine Eltern haben auch im Mai geheiratet und ich ebenso. Auch wenn ich da schon hochschwanger war, hätten wir nicht zwangsläufig im Mai heiraten müssen – aber ich wollte es gern. Wenn schon heiraten, dann im Frühling und möglichst noch vor der Geburt – so mein (unser) Gedanke damals. Übrigens denke ich im Normalfall eher an den Hochzeitstag meiner Eltern als an irgendwelche Todestage.

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    1. Geht mir auch so – der größte Teil der Menschen wünscht seine regelmäßig wiederkehrenden Ritualtage, ganz gleich wieviel echte Emotion dahintersteht, oft ist es nichts als ein eingeforderter Tribut anstelle von echter Liebe und die Mentalität mag ich nicht, weder haben noch füttern.
      Aber Sicherverweigern oder -entziehen enttäuscht eben andere, und „richtigmachen, was sich gehört“ ist auch kein Rezept für gelungene Beziehungen. Im Gegenteil: manche ziehen die Gewissens-Schraube dann immer fester, wenn man sich darauf eingelassen hat.

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    2. ja, bewußt oder unbewußt, suchen viele einfach nur Halt, in ordentlichen Beziehungen und mysteriösen Ritualen.

      Wenn dann die Beziehungen, je nach dem wie offen sie sich gestalten, unordentlich zu werden drohen, gibts allerdings oft kein Halten mehr.

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    3. Gedanken, im Sinne von irgendwelchen Verpflichtungen nachkommen, an solcher Art von Gedenktagen, mache ich mir auch nicht – so war ich auch schon gefühlte Jahre nicht mehr auf dem Friedhof und schon gar nicht zu Geburts- oder Todestagen. In meiner Familie würde das aber auch niemand dem Anderen zum Vorwurf machen – gestern war ich bei meiner Mam, bzw. meiner Schwester & Familie, und wir haben nicht einmal über den vergangenen Todestag gesprochen. Es gibt Wichtigeres, was die Lebenden betrifft – weitaus Wichtigeres.

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  2. nochmal was zum Blog:
    „Ich muß stark sein“ – was bedeutet das eigentlich? Ich kenne das Buch nicht, aber das Wesentliche steht auf dem Einband: „Trennungen durchleben“, nicht verweigern, nicht das Leben anhalten wollen und die Pausentaste drücken wie bei den alten VHS-Videobändern, bei denen das letzte Bild verzerrt unscharf vor sich hinflimmert.
    „Starksein“ ist nicht, so zu tun, als wäre alles auf „erwachsene Weise“ zu regeln, zu verstehen, zu akzeptieren, sondern im Gegenteil: die kindlichen Reaktionen endlich wahrzunehmen, die man an den Tag legt. Das sind, so ist meine Meinung, die einzigen Gründe, weshalb es geschieht, weshalb etwas auf so emtional-desaströse Weise scheitert, anstatt sich einfach als nicht (mehr) passend zu erübrigen. Ich bin davon überzeugt, daß sich manche Beziehungen nur ereignen, um ihres Endes willen, um den Schlusspunkt zu erleben, und zwar bewußt. Wäre der andere in der Geschichte nicht aus ähnlichen Gründen involviert, könnte er oder sie einem direkt leidtun. Wir sind miteinander in derselben Inszenierung und spielen doch womöglich zwei verschiedene Stücke. Wir sind nicht (unbedingt) persönlich gemeint. Bei aller großen Liebe nicht. Womöglich ist es nicht der ersehnte Seelenzwilling, der uns so bewegt, und der für alle Ewigkeit bleibt, sondern die heilende Notwendigkeit, die erfüllt werden muß.

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    1. Das wiederholte Ich muss stark sein! hat keinen Bezug zu dem Buch. Es gehört zu dem von mir zitierten Tagebucheintrag – ergo war es damals mein Gefühl und das, was ich mir immer wieder vorgebetet habe. Dass ich in der aktuellen Situation auch Schwäche zulasse, hast du sicher schon gemerkt – aber immer nur dem inneren Kind nachzugeben, wäre dem Ganzen im Moment wohl kaum förderlich. Dann nämlich würde ich anfangen zu betteln und zu flehen und wäre in keinster Weise bereit zu akzeptieren.

      Deine Überzeugungen in allen Ehren – aber für mich klingt das sehr nach Sadismus/Masochismus, wenn man Beziehungen nur eingeht um das Ende bewusst(!) zu erleben. Solche Menschen kann ich nur als krank bezeichnen – es wäre ja wie auf ein Scheitern hinarbeiten. Ob mein (unser) Beziehungsende eine Notwendigkeit dargestellt hat, die sich irgendwie heilend auf mich auswirkt, mag ich im Moment auch noch nicht zu sehen – es tut einfach nur weh und ich sehe gerade nichts heilen.

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    2. (nochmal: bitte den vorhergegangenen löschen)

      Da habe ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt, wenn du es so auffaßt, als täte man es absichtlich, Beziehungen eingehen, um sie enden zu sehen, als würde man das als Höhepunkt betrachten.
      sondern meiner Ansicht nach geht man hin und wieder Beziehungen ein, in denen man etwas durchlebt und sich dabei verändert, was unter Umständen die Beziehung auch enden läßt, oder daß man eben einem alten Muster anhängt, das man auch diesmal noch nicht erkennen und lösen kann, und erst durch das Ende der Beziehung wieder eine Chance zu Erkenntnis und Veränderung eintritt.
      Das meinte ich mit dem Sinn: diese Chance.
      Außerdem habe ich das Gefühl, daß du das innere Kind als Personenaspekt siehst, der deiner Stärke nicht förderlich ist, wenn du ihm nachgibst – auch das habe ich nicht gemeint, daß du dem „Gequengel“ und Weinen nachgeben sollst – sondern daß du ihm zuhörst, warum es betteln will, flehen, weinen.

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    3. Warum? Weil es nicht begreifen kann, warum man sich von ihm abwendet – und es betteln und flehen als einzige Chance sieht etwas zu bekommen, was unerreichbar erscheint. Weil es Angst hat, der Liebe nicht wert zu sein, überflüssig zu sein, unerwünscht zu sein – Angst, ohne diese Liebe nichts wert zu sein. Schwierig, die richtigen Worte zu finden und es in Worte zu fassen.

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  3. Seltsam ist, daß man in einer Anfangszeit meint, die Seelenverwandschaft gefunden zu haben…Nach und nach kristallisiert sich dann etwas anderes heraus…man will es erst nicht wahrhaben. Es schleicht. Setz dich ins kalte Wasser und erwärme es langsam…du merkst das kaum. Fällst du allerdings direkt ins heisse Wasser, merkst du es sofort! Genauso langsam kommen Erkenntnisse, mit denen man dann umgehen soll…muss…
    Das ist nicht einfach…

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    1. Es ist wohl nie ganz einfach, wenn man von der rosa-roten Wolke heruntergeholt wird und der sprichwörtliche Alltag einkehrt – denn erst dann, wenn man auch bereit ist die Macken des Anderen zu akzeptieren und gemeinsam an Dingen zu arbeiten, zeigt sich, ob es wirklich Liebe ist, oder nur eine vorübergehende Schwärmerei war. Einfach ist das sicher nicht – sonst würden wohl nicht so Viele das (vermeintliche) Glück in den Armen eines neuen Partners suchen.

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