Scheißgelaber*


 

Was für ein Tag. Kein schöner Tag, denn schöne Tage sehen anders aus. Liegt es an der Tatsache, dass heute Sonntag ist? Sonntage waren in den letzten Jahren oft Tage des Abschiednehmens – wenn auch nie für lange Zeit und dem Abschiednehmen zumindest noch ein Großteil gemeinsam verbrachter Tag vorausging. Vor nicht allzu langer Zeit waren Sonntage richtig schöne Tage. Kein Abschied mehr, zusammen ausschlafen, den Tag nutzen, oder einfach nur vertrödeln. Sich zwar auch irgendwann wieder zu verabschieden, aber in den Bewusstsein, dass es nicht viele Tage dauert, bis man sich wiedersieht. Seit über zwei Monaten ist der Sonntag wieder zum Abschiedstag mutiert – zu einem Abschied für immer; ein Grund mehr diesen Tag nicht mehr zu mögen.

Liegt es vielleicht auch am Wetter? Gefühlte 10° und Regen, begleitet von widerlichem Westwind lassen nicht gerade fröhliche Frühlingsgefühle aufkommen. Einziger Vorteil: Trotz dem Umstand, dass an einem Sonntag im Frühling normalerweise jede Menge Familien und Pärchen die Frischluftplätze vor den Eis-Cafés belagern, hatte ich heute keine Probleme einen freien Tisch zu finden. Ich war der einzige Gast im Freien, bis sich noch weitere hartgesottene Raucher bibbernd dort niederließen.

Eigentlich war es ein typischer Bett-Tag – lange schlafen, im Bett frühstücken und danach am liebsten wieder unter die Decke kuscheln, alte Filme schauen und was immer man gern tut, wenn es draußen richtig fies ist und nichts ins Freie lockt. Für einen kurzen Moment habe ich mir vorgestellt, wie andere jetzt vielleicht gemeinsam unter der warmen Decke lümmeln und es sich einfach gut gehen lassen an diesem fiesen Tag, aber nein – ich soll und darf mich ja nicht selbst quälen. Stattdessen habe ich zwischen dem DreckFrosch und dem Murmeltier hin- und hergezappt, habe Geschichten von und über Menschen gelesen, die ich gar nicht kenne, hab mich still amüsiert und war manchmal fast zu Tränen gerührt. Auch eine Form der Ablenkung und an einem Tag wie heute nicht die schlechteste.

Vielleicht liegt meine Unzufriedenheit mit diesem Tag auch in der Tatsache begraben, dass ich bis dato weniger als 100 Worte gesprochen habe? Für eine Frau an sich ist das schon ungewöhnlich wenig – für mich, die ich ansonsten gern und viel rede, ergo eher kommunikativ als introvertiert bin erst recht. Nicht, dass es mir an Gesprächspartnern mangeln würde, wenn ich partout mit jemanden plaudern will, aber heute habe ich nicht einmal die Lust verspürt irgendjemanden anzurufen und offensichtlich hatte auch niemand Lust mit mir zu reden, denn selbst das Telefon blieb stumm.

Manche werden jetzt vielleicht den Finger heben und denken, dass ich mein eigenes Glück nicht von anderen Menschen abhängig machen sollte. Ach ja – in der Theorie ist vieles einfach, wenn die Praxis, und somit die Umsetzung, an vielerlei Dingen scheitert. Sicher müsste ich selbst den Arsch mal wieder hoch kriegen und mich um die Menschen kümmern, die mir wichtig sind. Aber wer ist eigentlich wichtig? Familie? Um die kümmere ich mich, so gut es gerade geht – auch wenn es mehr sein könnte. Mein Kind? Sie geht ihre eigenen Wege und wenn sie mal hier ist und mich braucht, bin auch ich hier. Freunde? Auch die haben einen funktionierenden Telefonanschluss und müssen nicht darauf warten, dass ich mich melde. Und sonst? Der Mensch, der mir mal mit der Wichtigste war, will nicht mehr, dass ich mich um ihn kümmere. Ganz im Gegenteil – hat mir dieses Scheiß-Du-bist-allein-Gefühl erst richtig aufgedrückt. Das Leben geht weiter? – Scheißgelaber.

(* Alles nur geklaut – aber ich darf’s behalten)

Advertisements

6 Kommentare

  1. haha, das Theme wollte ich auch erst nehmen, aber dann hat mich das andere irgendwie begeistert^^

    Ich finde es Unsinn, dass das eigene Glück nicht von anderen Menschen abhängt. Man sollte es vielleicht nicht übertreiben, aber wer kann denn schon glücklich sein, also wirklich glücklich, wenn er von anderen Menschen schlecht behandelt wird oder allein gelassen wird (es sei denn es ist eine selbst erwählte „Einsamkeit“, der freie Gedanke, sich von anderen Menschen frei zu machen und seinen Weg wirklich alleine zu gehen) aber es ist nun einmal so, wir Menschen sind Rudeltiere und wenn wir das Gefühl haben, von niemandem irgendwie gebraucht zu werden oder dass jemand spürt, dass wir ihn brauchen, dann fühlen wir uns nicht gut und daran kann kein blöder Spruch dieser Welt etwas ändern. Natürlich würden wir uns das Leben leichter machen, wenn wir nicht so wären, aber dann würden wir gleichzeitig all unsere Menschlichkeit verlieren, schließlich würden wir dann auch rein garnicht mehr auf andere achten, denn die anderen bräuchten es nicht. Mitgefühl und Zuneigung würden überflüssig werden und wir hätten den perfekten Egoismus geschaffen. Wie gesagt, diesen Spruch finde ich Unsinn.

    Gefällt mir

    1. Schön zu sehen, dass es auch noch Andere gibt – so wie du – die es genauso anzweifeln wie ich. Aber ich habe diesen Satz so (oderso ähnlich) schon mehr als einmal gehört und irgendwann ist man fast geneigt, es sich zu verinnerlichen. Mit deinem Kommentar sprichst du mir sowas von aus der Seele, weil es genau das ist, was ich empfinde – ich habe dieses Alleinsein, weder gestern noch an beliebigen anderen Tagen, nicht selbst gewählt. Eigentlich ist es überflüssig zu erwähnen, weil jeder, der hier einigermaßen aufmerksam liest, es längst verstanden hat und wenn ich es jetzt noch einmal ausdrücklich erwähne, dann nur, um den Ganzen noch ein Ausrufezeichen nachzusetzen.

      P.S. Diese Themes bringen mich manchmal auch zur Verzweiflung. Auch dieses hier ist für mich nur suboptimal, weil ich trotz meiner Typekit-ID nicht alles an Schrift so verändern kann, wie ich es gern hätte – Mist aber auch! Irgendetwas stört immer, aber ich brauchte dringend mal wieder eine Veränderung ;-)

      Gefällt mir

    1. Aber hallo. Aber wie du siehst, esse ich lieber ein paar Kirschen, bevor ich mich wieder endlos echauffiere, oder in tiefe Depressionen verfalle ;-)

      Nee… du hast aber auch recht – gestern habe ich wohl in der Tat mehr geschrieben, weil ich so wenig geredet hatte.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s