Niemand ist eine Insel

Etwas warmes kitzelt an meiner Nase, als ich heute Morgen zum ersten Mal erwache. Halb verschlafen und lächelnd wende ich mich der Quelle zu, um Sekundenbruchteile später festzustellen, dass es nur der Rüssel von meinem kleinen Plüschelefanten war. Frustriert taste ich nach meinem Handy. Ein kurzer Blick – es ist zwanzig nach Sieben. Draußen trommelt der Regen leise auf meine Fensterbank. Ich ziehe mir die Decke über die Ohren und schlafe weiter.

Knapp zwei Stunden später, als ich zum zweiten Mal aufwache, eine ähnliche Szenerie. Es regnet immer noch, während sich mein plüschiger Freund schmollend in eine Ecke zurückgezogen hat. Um mich herum das übliche Chaos einer Alleinstehenden: Leerer Ben & Jerry’s Becher, ein paar vertrocknete Weintraubengerippe, Fernbedienung, Aschenbecher, benutzte Tempos, Handy… Warum zum Teufel hat man sein Handy eigentlich immer in Griffweite? Reine Gewohnheit, oder die Angst irgendetwas Wichtiges zu verpassen?

Schon wieder die Nase voll – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich schneutze ausgiebig und geräuschvoll ein frisches Tempo voll, quäle mich hoch und wanke in die Küche. Die gleiche Prozedur wie jeden Morgen; ich bereite die Kaffeemaschine vor und tappe dann ins Bad. Kaum sitze ich auf der Keramik, schüttelt mich der erste Hustenanfall des Tages. Scheiß-Erkältung aber auch. Es wäre gestern wohl wirklich keine gute Idee gewesen in dem Zustand mit dem SMS-Gott zum Open Air-Konzert zu gehen – schon gar nicht bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 80% und gefühlten Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Obwohl die Bandauswahl schon sehr reizvoll klang. Als ich gestern beim Türken meines Vertrauens anstand, um mein Abendessen abzuholen, bin ich zufällig über ein Konzertplakat gestolpert – übersetzte die mitwirkenden Bands gedanklich ins Deutsche und musste dann doch grinsen; Die Blaubeeren, Das Honigbienen-Massaker, irgendetwas mit Reptilien… klingt doch wirklich nett – oder?

Inzwischen liegt die Kaffeemaschine in ihren letzten Zügen. Zurück in der Küche schenke ich mir den ersten Pott ein und bin fast versucht Kaffee ist fertig zu rufen. Aber zu wem? Hallo??? Ich bin allein. Da ist er wieder – dieser Moment, in dem ich mich fühle wie eine einsame Insel; nichts existiert um ich herum in diesem Kosmos, in diesem kurzen Moment. Ein Gedanke schießt mir kurz durch den Kopf. Ja, ich kann verstehen, wenn Menschen, die lang allein leben, irgendwann anfangen Selbstgespräche zu führen. Ich schnappe mir meinen Kaffeepott, hocke mich vors Laptop und fange an zu schreiben. Frühstück kann warten.

 

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6 Kommentare

  1. Manchmal ist es heilsam, negative Stimmungen in Texte umzusetzen. Und so lange man irgend etwas gestaltet, egal ob Texte, Bilder malen, Photos, Pullover stricken…..Liste ist lang ……………. gestaltet man Eigenes und bestimmt sich damit selbst. :-)

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    1. Hehe… kann bei mir auch gar nicht gelb werden, weil ich die gelben Grinsefressen nicht mag. Sprich: Man kann in den Einstellungen selbsbestimmend auswählen, ob die Smilies als Grafiken angezeigt werden sollen, oder eben nicht. Mir genügt der Strichcode als Ausdruck von Freude, Missfallen oder Ironie völlig aus :-)

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    2. Wie wahr… deswegen habe ich auch heute Morgen direkt angefangen zu schreiben. Meist wird mir immer erst hinterher bewusst, wie viel Zeit vergangen ist und wie sehr ich nur auf diesen Vorgang fokusiert war. Keine störenden sonstigen Gedanken und schon gar keine „Zeit“ in despressive Stimmung zu versinken. Sozusagen nicht ausschließlich selbstbestimmte Beschäftigung, sondern auch eine Art Therapie – die beste überhaupt.

      Der Einsame-Insel-Effekt hat übrigens nicht lange angehalten. Kurz nachdem ich diesen Post beendet hatte, rief meine Schwester an – ich durfte also ohne schlechtes Gewissen meine eigene Stimme hören und wusste, ich bin doch nicht ganz allein ;-))

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    1. Nur zu. Du findest das in deinem Dasboard unter Einstellungen › Schreiben und dort die Formatierungen. Aber nicht, dass du Stress mit Insomnia bekommst – oder steht die auch nicht auf leberkranke Hackfressen? ;-)

      P.S. Weißt du was mir gestern bei unserem kleinen Austausch über diese gelben Dinger noch aufgefallen ist? Die Grafiken unterscheiden nicht zwischen einem freundlichen Lächeln und einem breiten Grinsen – das sieht nämlich dann so aus :-D Kann man wahlweise natürlich auch mit Semikolon zwinkern lassen.

      P.P.S. Apropos zwinkern (was du ja gestern als leicht anzüglich bezeichnet hast): Ist bei mir immer nur Ausdruck, wenn etwas nicht so ganz ernst gemeint ist – manchmal aber auch einfach Ironie oder was leicht Verschwörerisches ^^

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