Erinnerungen


 

Ab in die Kiste damit. Den Karton habe ich vor mehr als 5 Jahren gekauft – eigentlich um Erinnerungsschnipsel einer Beziehung zu sammeln und aufzubewahren. Einer Beziehung, die niemals enden sollte – zumidest nicht in meiner infantil-naiven Vorstellung. Es sind, gemessen an der Zeit, nicht viele Erinnerungsfetzen in dem Karton gelandet, aber Dinge, bei denen ich mich heute noch gut an bestimmte Gegebenheiten erinnern kann – ganz unten die Reste unserer Verlobungskerze, die Kornähre von unserem ersten Spaziergang im Südhessischen, Belege, Fahrkarten. Schnipsel eben. Seit heute ist der Karton um etwas bereichert, was nicht in die Kategorie schöne Erinnerungen fällt – Worte und Sätze, die sich für immer in mein Gedächtnis eingegraben haben. Unwiderruflich.

Er wird Sie dort treffen, wo es am meisten weh tut. Ich war gewarnt – und doch kam der Schlag relativ unvorbereitet. Zu schnell und zu früh. Er hat mich getroffen – in meinem tiefsten Innersten. Unwiderruflich. Entgültig und nicht mehr zu reparieren. Ab in den Karton damit und in die hinterste Ecke auf den Schrank verbannen – auch alle schönen Erinnerungen. Aus dem Blickfeld und nicht sichtbar.

Und wenn ich alle Erinnerungen verschwinden lasse und einpacke? Ja – was dann? Werde ich dann frei sein? Frei, einen Anderen zu lieben? Mein Therapeut hat mich vor ein paar Tagen gefragt, was ich eigentlich (noch) an ihm liebe – ob es nur (s)ein Bild, oder eine Erinnerung ist. Diese Frage soll und sollte ich mir immer wieder stellen. Was ist an ihm noch liebenswert im Moment? Was macht ihn noch liebenswert für mich? Eigentlich nichts. Eigentlich…

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8 Kommentare

  1. Die schlimmsten Phasen meines Lebens waren die mit Liebeskummer. Da habe ich dann teilweise Entscheidungen getroffen, die rückwirkend gesehen falsch waren. Und dann, Jahre später, fragt man sich schon, ob der Mensch das wert war. Wahrscheinlich eher nicht. Man muss für sich gut sorgen können (nicht zu verwechseln mit Egoismus).
    Manchmal ist man wirklich auch nur noch in irgendwelche Bilder verliebt.

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    1. Was macht den Wert eines Menschen aus? Das frage ich mich jetzt gerade in diesem Moment. Gibt es überhaupt Menschen, die besonders wertvoll, oder gar welche, die besonders wertlos sind? Ist ein Mensch dann wertvoll (für uns), wenn er uns etwas gibt und wertlos, wenn er (es) versagt? Bringen derartige Nachdenkereien überhaupt irgendetwas? Wohl eher (auch) nicht.

      Du hast Recht mit deiner Aussage – man muss allerdings nicht nur gut für sich sorgen, sondern sich auch selbst schützen. Wie wichtig das ist habe ich erst nach der 2. Trennung vom selben Mann begriffen. Nach der ersten Trennung habe ich viel zu viel Energie darauf verschwendet eine Beziehung zurückhaben zu wollen, die gar nicht funktionieren kann, wenn mindestens einer der Partner seine Probleme nicht sehen will oder kann – das zumindest versuche ich jetzt tunlichst zu vermeiden und denke mehr an mich selbst und meine eigene Zukunft. Für mich ist das zwar auch eine Form von Egoismus, aber ein gesunder! Aber nach wie vor habe ich trotzdem noch das Problem, dass sich Ratio und Emotionen immer wieder in die Quere kommen – ich sollte doch mal eine Negativliste schreiben und sie mir bei Bedarf vor Augen führen.

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  2. Das mit dem „wert“ war jetzt vielleicht etwas unglücklich ausgedrück. Ich meinte nicht, dass die einen mehr wert sind als die anderen. Überhaupt nicht. ich meinte eigentlich, dass man sich schon fragt, was man in dem einen oder anderen Menschen gesehen hat. Möglicherweise nur eigene Projektionen, die der andere nicht erfüllen konnte/wollte. Und von solchen Dingen dann das eigene Leben und wichtige Entscheidungen abhängig zu machen, ist im nachhinein gesehen nicht wirklich clever. Das war so mein Beitrag dazu. Jeder hat aber eben eine andere Geschichte.

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    1. Nein – da hast du Recht. Blöd nur, dass man manche Dinge in den entscheidenden Momenten nicht sieht, oder sehen will, und diese Art von Erkenntnis meist erst später in der Retrospektive kommt.

      Ja – jeder hat eine andere Geschichte, aber das macht es auch so unberechenbar.

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  3. ich kenne den Gedanken: was wäre, wenn ich all das einfach entsorge. Würde es mir dann besser gehen?
    Aber ich kann es nicht, zu wertvoll sind mir Erinnerungen, zu sehr klammere ich mich an ihnen fest. Und ich weiß, dass es manchmal nicht gut ist, aber es ist dann wie eine Sucht, in dem Moment ist mir das egal.

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    1. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es helfen würde alles wegzuräumen, was an einen Menschen erinnert – aber eigentlich ist das Schwachsinn. Okay… manche Dinge sind dann nicht mehr so offensichtlich präsent, aber die Bilder im Kopf bleiben – ich kann zwar heute ein Bild abhängen und wegpacken, aber ich weiß auch morgen und übermorgen noch, dass es da gehangen hat und „sehe“ es trotzdem. Selbst wenn alle Erinnerungsstücke endgültig entsorgt wären, würde sich an dieser Tatsache nichts ändern. Ob man sich nun vermeintlich an solch „toten“ Dingen festklammert, oder nicht – die Erinnerung wird immer lebendig sein, bestenfalls vielleicht verblassen, und ich denke, dass wir erst wirklich frei werden, wenn wir innerlich Abschied genommen haben.

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  4. Ich glaube, dass es eindeutig nicht hilft, die Erinnerungen täglich im Blick zu haben. Folglich wäre wegpacken schon mal ein kleiner Schritt. Wie wär’s: mach ein Foto von was Schönem und häng es an die Stelle?

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    1. Inzwischen hängt hier auch kein einziges Bild mehr – das letzte Foto ist in die Kiste gewandert, als ich diesen Post geschrieben habe. Ein Foto habe ich schon vor längerer Zeit ersetzt. Schätze, du hast meine Rulez noch nicht gelesen? Und dieses, was jetzt im Karton gelandet ist, hat mich wochenlang nur als weißer Fleck „angeschaut“. Jetzt sind nur noch „unsere“ Kinder in diesem Rahmen und für den freien Platz werde ich auch noch was finden. Aber was bringt’s? Die Bilder sind in meinem Kopf und versuche mal dagegen anzugehen, Bilder auf Knopfdruch abzurufen.

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