Kaffeemaschinen-Trauma


 

So lange ich denken kann, hab ich’s mit meiner Kaffeemaschine. Nicht was ihr jetzt denkt – sie macht mich nicht an, aber ich sie und dafür belohnt sie mich allmorgendlich mit heißem Kaffee. Damit aber nicht genug – ich bin schon unzählige Male zurück in die Wohnung gestürzt, nachdem ich sie längst verlassen hatte, um zu kontrollieren, ob die Maschine auch wirklich ausgeschaltet ist. Über die Jahre hat sich das zu einem regelrechten Kaffeemaschinen-Kontrollzwang ausgewachsen und ich habe damit nicht nur meinen Ex-Gatten, sondern auch den ein oder anderen Mann vor und nach unserer Ehe schier in den Wahnsinn getrieben mit der ewig gleichen Frage, ob die Kaffeemaschine auch wirklich aus ist.

Was soll ich sagen!?! Bei meinen unzähligen Kontrollgängen habe ich das verräterisch leuchtende rote Lämpchen noch nie in flagranti erwischt, aber ich komme einfach nicht dagegen an. So auch gestern Morgen.

Auf dem Weg zur Arbeit – ich war bereits gut 10 Kilometer von der Heimat entfernt – fiel mir urplötzlich mal wieder die unselige Frage (s.o.) ein. Also schneller Blick auf die Uhr, aber es war bereits so spät, dass ich unmöglich noch einmal hätte zurückfahren können und trotzdem pünktlich gewesen wäre. Ich hasse es grundsätzlich zu spät zu kommen; außerdem war es ja mehr als lächerlich, denn das blöde Teil war bestimmt ausgeschaltet. Trotzdem machte sich binnen Sekunden gelinde Panik breit und obwohl ich mir noch ein Gespräch ins Gedächtnis rief, das ich vor kurzen mit meinen Nachbarn führte (Da kann gar nix passieren – selbst wenn die Kanne leer ist und die Maschine stundenlang eingeschaltet ist!), hatte ich keine 5 Minuten später das Handy am Ohr um Katha anzurufen. Es blieben noch 10 Minuten bis zur 1. Stunde und sie war sicher noch nicht in der Schule – sie ging aber auch nicht ans Handy, resp. ich bekam nicht mal ein Freizeichen. Fuuuck! Ja ja… da kann gar nix passieren – selbst wenn die Kanne leer ist und die Maschine stundenlang eingeschaltet ist! – Euer Wort in Gottes Ohren! Aber hey… jetzt beruhige dich mal; die Maschine ist aus, die Maschine ist aus, die Maschine ist… nein – bringt nix.

Kaum an der Arbeit angekommen, schrieb ich umgehend eine SMS ans Kind: Ruf mich ganz dringend an, so bald du kannst! Eilt! Kuss… Mam. Ihre Antwort kam unverzüglich und ich dürfte nach der ersten Stunde mit ihrem Anruf rechnen – Halleluja! Bis zur ersten großen Pause kann die Maschine ruhig warten – so mein Gedanke – und ich konnte erst mal durchatmen.

08:48 Uhr: Erlösender Anruf von Kind – also schnell Order erteilt, dass sie  bitte in der Pause heim flitzen und nach der Kaffeemaschine schauen soll. Ihr könnt euch wohl vorstellen, dass meine Süße hellauf begeistert war, aber davon durfte ich mich nicht beeindrucken lassen! Nicht genug damit, dass ich im Begriff war sie durch die Gegend zu hetzen, musste sie mir auch noch versprechen sich sofort zu melden, nachdem sie auf Kontrollgang war.

09:54 Uhr: Erwartete SMS. War natürlich aus, aber jetzt komm ich zu spät zu Reli! Ach nur Religion??? Na… wenn’s sonst nichts ist. Inzwischen war schon mein frischer Kaffee durchgelaufen und in aller Seelenruhe goss ich mir die erste Tasse ein ;-)

P.S. Entschuldigt bitte die miserable Qualität des Fotos – mir saß nachmittags der Schock wohl immer noch in den Knochen.

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16 Kommentare

  1. Super Text. Ich will nicht Deine Kontrollzwänge verstärken, aber nachdem im Jahr 2005 mein Elternhaus durch einen Wasserkocher, der sich irgendwie nicht ausgeschaltet hatte, schwelbrandmässig so verwüstet wurde, dass 4 Monate Brandsanierung notwendig waren, habe ich auch gewisse Kontrollzwänge. Ich achte zum Beispiel immer darauf, dass der Wasserkocher nicht auf seinem Untersatz steht, wenn ich weg bin. Und wir haben eine Kaffeemaschine, die den Kaffee in einer Themoskanne versickern lässt, die schaltet sich dann von selbst ab.
    Die Versicherung meinte damals, sie hätten jede Woche Brände, die von Wäschetrocknern ausgelöst würden.

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    1. Vielen Dank ^^ – es hat mir heute schon eine gewisse Befriedigung verschafft es endlich raushauen zu können. In der Kladde war der Text schon gestern, nachdem ich kurz beim Lieblingsitaliener war; aber ob du es glaubst oder nicht, ich habe es abends nicht mal mehr geschafft ihn in die Tasten zu hacken. Irgendwie hab ich echt gerade ein Zeitproblem und das ist sch**ße!

      Nach deinem Kommentar weiß ich wenigstens warum ich meinen Wasserkocher in die letzte Ecke verbannt habe und keinen Trockner habe. Echt schlimm, was euch da passiert ist und ich wäre da mit meiner Schusseligkeit sicher prädestiniert. Ich habe es vor vielen Jahren sogar mal geschafft Schnullis und Flaschensauger bis zur Unkenntlichkeit zu zerkochen – anschließende Küchenrenovierung selbstverständlich inklusive ;-) Vermutlich hat mich das damals schon so traumatisiert, dass ich inzwischen nicht anders kann als alles was heiß macht immer wieder zu kontrollieren.

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    1. Diese Bügeleisenfixierung war die Tage die erste Reaktion einer Freundin bei Facebook auf diesen Post. Mein Kommentar dazu: Zum Glück ist mein Bügeleisen nur äußerst sporadisch im Einsatz – sonst käme das garantiert noch dazu ;-D Du siehst, wir sind uns da schon sehr ähnlich ;-)

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  2. Hmm, besser nicht. Meine paranoiden Fixierungen beziehen sich nämlich auf Bügeleisen *und* Herde! Wasserkocher zum Glück nicht. Kaffeemaschinen auch nicht. Bei denen denke ich, dass die in so ungezählten Büros vor sich hin brutzeln, da müsste es doch jede Menge Office-Brände geben.

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    1. Stimmt – nur dass meine Kaffeekanne meist leer ist, wenn ich die Wohnung verlasse und deshalb werde ich da wohl leicht panisch ;-) Herd auch noch??? Nee – das brauch ich wirklich nicht. Dann wäre ich ja nur noch auf Kontrollgang ;-D

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  3. Herde: Da könnte ich auch was beitragen. Damals, als wir zusammen in die Normandie gefahren sind und wir mitten in Belgien umkehren und nach Köln zurückfahren mussten, weil der Herd AUSGESCHALTET war…………….

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  4. Ich verstehe dich gut. Meine Kaffeemaschine schaltet sich zwar von alleine aus, aber kürzlich habe ich es fertiggebracht, meine absolute Oblerlieblingsnochniehatteicheinesogutebratpfanne mit Öl auf dem eingeschalteten Herd zu vergessen und zu dadurch ruinieren. Immerhin ist nichts Schlimmeres passiert. Ein anderes Mal hätte beinahe ein brennendes Toast einen Zimmerbrand verursacht. Wir saßen auf dem Balkon und ich sah die Flamme, die sich in der Balkontür spiegelte. Ach ja, und da war da noch der Kabelbrand wegen des defekten Kühlschranks im Keller. Alles glimpflich verlaufen. Doch ich verstehe dich gut.

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar :-)Es ist schön zu wissen, dass es doch ein paar Gleichgesinnte gibt und frau nicht gleich als hystherisch und zwanghaft abgestempelt wird. Du hast vielleicht meine Antwort an erinnye weiter oben gelesen? Im Dinge verbrennen bin ich auch große Klasse – wobei Aktionen mit brennendem Fett zum Glück schon sehr lang zurückliegen.

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  5. Meiner Oma ist sogar mal die Spülmaschine in Rauch aufgegangen, obwohl die lief und bei einer Spülmaschine offensichtlich viel Wasser im Spiel ist. Hat nix geholfen, Als sie heimkam war schon die Feuerwehr im Haus. Die Nachbarin, die auch einen Schlüssel hat, hat den Rauch bemerkt und die Feuerwehr gerufen und reingelassen. Sonst hätten die auch noch die Tür eingeschlagen.
    Anima, klemm doch so eine elektronische Zeitschaltuhr mit Timer dazwischen. Vielleicht spart dir das Nerven :-)

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    1. Heftig – und wenn ich eure Erfahrungsberichte so lese, sollte ich vielleicht doch einmal über ’ne Zeitschaltuhr nachdenken. Die Idee meiner Nachbarn war allerdings fast noch besser: Einen zentralen Schalter an der Wohnungstür, mit dem ich gleich alle Geräte abschalten kann ;-)

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