Edersee-Atlantis


 

Die Edertalsperre, am Rande des Nationalparks Kellerwald-Edersee in Nordhessen, staut die Eder im unteren Edertal auf einer Länge von 27 Kilometern zum Edersee. Mit einem Fassungsvermögen von knapp 200 Mio. m³ ist er der drittgrößte Stausee in Deutschland – bei Vollstau liegt der Wasserpegel an der Sperrmauer bei 245 m ü. NN.

Als die Sperrmauer in den Jahren von 1908 bis 1914 errichtet wurde sollte der Stausee einzig der Aufrechterhaltung der Schifffahrt auf Weser und Mittellandkanal und der Stromerzeugung dienen – niemand dachte in der Kaiserzeit an einen touristischen Nutzen. In heutiger Zeit dagegen ist der Edersee eine beliebte Ferienregion und viele Ederseeanrainer leben von dem Tourismusgeschäft. Um den Staudammbau zu realisieren, mussten damals 700 Menschen umgesiedelt werden und ihre Dörfer Asel, Bringhausen und Berich verlassen. Asel und Bringhausen wurden oberhalb des Sees neu angelegt, während Berich als Neu-Berich in der nähe von Bad Arolsen neu entstand.

Wenn in trockenen Jahren der Pegel fällt – in der Regel im Herbst – beginnt am Edersee ein Tourismus der ganz anderen Art, denn mit jedem fallenden Meter gibt der See den Blick auf die Überreste der versunkenen Dörfer frei, respektive auf das, was von ihnen noch geblieben ist. Der See fällt nicht in jedem Jahr so „trocken“, dass man die Ruinen sehen kann, aber in diesem Jahr – und dieses Jahr schon ungewöhnlich früh im Sommer. Da ich selbst schon viele Jahre nicht mehr am Grund des Edersees herum spaziert bin, war es jetzt mal wieder eine gute Gelegenheit für eine kleine Exkursion und so begab ich mich am vergangenen Sonntag mit meinen Nachbarn auf Edersee-Atlantis-Entdeckungstour. Bei einem aktuellen Stand von 224,35 m ü. NN konnten wir uns ausrechnen, dass es einiges zu sehen geben würde.

Erste Station war die alte Aseler Brücke, die Asel mit Asel-Süd verbindet. Die Brücke ist auch nach fast 100 Jahren noch gut erhalten und kann bei Niedrigwasser trockenen Fußes begangen werden.

Auch wir ließen es uns natürlich nicht nehmen mit dem Touri-Strom zu schwimmen, über die Brücke zu laufen und ein paar Fotos zu knipsen → Fotos 1- 4 in der Galerie. Danach ging’s weiter zur Halbinsel Scheid → Fotos 5 – 11. Unter Einsatz unseres Lebens kletterten wir ein gutes Stück am Steilhang des Seeufers entlang in der Hoffnung die Brücke zu entdecken, die einst Alt-Bringhausen mit Scheid verband – die eigentliche Brücke wurde zwar gesprengt, aber Brückenstraße und Pfeiler sind noch erhalten und bei entsprechendem Wasserstand zu sehen. Zum Glück trafen wir irgendwann auf einen befestigten Weg und fanden auch die Stelle der Brücke, aber das Wasser stand noch zu hoch und so konnte man gerade mal einen Teil der Brückenköpfe auf der Wasseroberfläche entdecken (Fotos 9 und 11). Nach Alt-Bringhausen konnten wir von dort aus auch nicht gelangen ohne uns in die Fluten zu stürzen und so blieb uns nichts anderes übrig als doch wieder zum Auto zurückzukehren um auf die West-Seite des Sees zu fahren. In Rehbach machten wir halt, um den längst überfälligen Kaffee trinken zu gehen. Auf dem Weg durch den Ort wurde anhand mehrerer Transparente offensichtlich, wie groß der Unmut der Menschen in der Region angesichts des fast leeren Sees und der damit verbundenen finanziellen Einbußen ist und der Anblick der sich bot, war schon etwas deprimierend, aber wir fanden ein nettes Terassen-Plätzchen direkt am Ufer und die Aussicht in einem Strandkorb sitzen zu können machte das fehlende Wasser fast wett.

Wieder bei Kräften machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Alt-Bringhausen um uns die Gräberfelder des alten Friedhofs anzuschauen (letzte Fotos in der Galerie). Den Gang zur Liebesinsel, über deren Namensgebung man nur spekulieren kann, haben wir uns dann geschenkt. Es war doch spät geworden und langsam knurrte der Magen. Aber es wird sicher nicht die letzte Tour in diesem Jahr gewesen sein, denn wenn der Pegel doch noch um ein paar Meter sinken sollte, sind wir garantiert wieder dort; auf der 2. Etappe wollen wir unbedingt noch das Modell der Sperrmauer erklimmen und dafür müssen es nur schlappe 5 Meter weniger sein ;-)

 


 

Quelle und weiterführende Links:

www.edersee.com
Fast leerer Edersee: Streit eskaliert

 

P.S. Die Fotos in der Gallerie kann man natürlich auch ganz groß sehen, wenn man sie anklickt.

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8 Kommentare

    1. Die zwei Fotos mit den Platten, die du meinst, zeigen die Gräberfelder auf dem Friedhof von Alt-Brinhausen. Die Gräber wurden damals mit Betonplatten verschlossen, bevor das Tal geflutet wurde – ergo liegt der Friedhof bei normalem Wasserpegel im See. Denke, das beantwortet deine Frage? Sonst schick doch mal einen Kommentar auf das betreffende Foto – für den Fall, dass wir gerade aneinander vorbei reden ;-)

      Das Katerchen gewöhnt sich langsam ein. Gestern ist er mir das erste Mal um die Beine gestreift und heute Morgen klebte er schon förmlich an ihnen – zumindest bis er satt war ;-D Er hat auch inzwischen schon Ruheplätze entdeckt wo wir ihn nicht unbedingt suchen müssen…

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  1. Ja, jetzt blicke ich durch. Ich hatte mich nämlich schon gewundert, wo die Gräber sind. Dass die Gräber diese Platten sind, darauf wäre ich nie gekommen. Ist ja ein wenig barbarisch, einfach einen Friedhof zu fluten…
    Wenn ich das Kätzchen sehe, werde ich ganz neidisch. Seit 5 Jahren, seit mein Hund tot ist, spiele ich mit dem Gedanken, mir eine Katze anzuschaffen…

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    1. Schätze, das Abdecken mit Betonplatten war sicher die einzige Möglichkeit die Gräber darunter gewissermaßen zu schützen – Umbettungen wären sicher zu aufwändig gewesen. Es gibt noch einen weiteren Friedhof im See – den von Berich, den wir aber nicht besucht haben, weil die Zeit zu knapp wurde. Habe mal ein Foto vom der Edersee-HP verlinkt, falls es dich interessiert. Sicher war es für die Angehörigen schon merkwürkwürdig zu wissen, dass ihre Verstorbenen auf dem Grund des Sees liegen und die Friedhöfe nur bei extremen Niedrigwasser aufsuchen zu können – das waren meine Gedanken am Sonntag. Leider habe ich im Netz keine weiterführenden Infos gefunden, aber beim nächten Besuch werden wir mal ins Sperrmauer-Museum gehen und mal schauen, was das so hergibt..

      Ja… das Katerchen wird langsam zutraulich, auch wenn er sich schon ab und an noch verkriecht – aber ich denke, das ist nach ’ner knappen Woche (erst) ganz normal. Heute Mittag hat es auch echt Spaß gemacht ihn zu knipsen – mittlerweile wirkt es, als würde er sich regelrecht in Pose schmeißen ;-) Und während ich gerade hier schreibe, sitzt er fast neben mir auf Gedichten von Rainer Maria Rilke – nee… jetzt hat er das Buch beseite geschoben ;-D
      Deinen Wunsch kann gut verstehen – vor allem, wenn du schon lange Zeit ein Tier hattest. Also was hält dich auf???

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  2. Ich weiß auch nicht so richtig, was mich da aufhält. Vermutlich das Problem, der Versorgung wenn man mal weg ist? Ich habe vielleicht einfach Bedenken, dass ich mich da zur Zeit nicht so kümmern kann, wie ich wollte.

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    1. Stimmt… und diese Bedenken hatte ich natürlich auch. Da es aber offiziell Katha’s Kater ist, wird sie sich auch in diesem Fall, wenn wir mal beide länger abwesend sind, Gedanken machen müssen wo er bleibt, resp. wer ihn versorgt – sie ist jetzt alt genug auch mal Verantwortung zu übernehmen und das nicht nur für ihr eigenes handeln, sondern auch für ein Lebewesen. Andererseits ist es auch gut, dass wir zu zweit sind und uns beide kümmern können und müssen – aber auch wir haben ja beide auch noch was anderes zu tun als ausschließlich den Kater zu bespaßen; so gesehen ist es ein echter Vorteil, wenn mehrere Bezugspersonen da sind.

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