Augenblick, der zweite

Es war nur ein kurzer Augenblick – gestern Morgen. Ich trat ans Fenster in diesem Moment, was für einen ganz normalen Morgen unter der Woche eher ungewöhnlich ist, denn es war kurz vor 7:00 Uhr und um diese Zeit bin ich normalerweise im Bad und mache mich fertig für den Tag. Nicht gestern Morgen – und so sah ich gerade noch einen Arsch und zwei Beine, die den Gehweg entlang schlenderten. Drei Sekunden zu spät, denn der Rest von ihm war schon durch ein Vordach eines Ladens in der Nachbarschaft verborgen und keine 3 Sekunden später war er völlig aus meinem Blickfeld verschwunden. Nur ein kurzer Augenblick, nur ein Moment – und doch hat mich dieser Augenblick nach all den Monaten den halben Tag beschäftigt und nicht mehr losgelassen.

Wie gern wäre ich diesem Arsch hinterher gelaufen. Wie gern hätte ich gesagt „Hey, mein Süßer – alles klar? Sehen wir uns heute noch? Ich habe Sehnsucht nach dir!“ Wie gern…

 

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12 Kommentare

    1. Es ist wie es ist und ich kann es nicht ständig verdrängen, kann nicht so tun, als würde ich nicht kennen und als hätte es ihn nie für mich gegeben. Bestenfalls so lang ich ihn nicht sehe, kann ich verdrängen, aber nicht in solchen Momenten – da ist alles wieder da… einfach ALLES. Es sind Momente voller Liebe, aber inzwischen auch mit Wut vermischt.

      Gestern Nacht hab ich Domian geschaut (hatte es ja bereits an anderer Stelle erwähnt) und auch dort wieder so ein Klassiker: Eine Anruferin, 55 Jahre alt, vor ca. 5 Jahren nach 30-jähriger Ehe von ihrem Mann verlassen für eine 25-jährige Thailänderin. Die Frau nach all den Jahren immer noch fassungslos und voller Liebe zu dem Mann, der sie verlassen und all diesen Schmerz verursacht hatte. Domian’s Rat war ebenfalls schon ein Klassiker: Sie solle nicht mehr an die schönen, gemeinsam erlebten Dinge denken, sondern nur an das Negative – nur an das, was er ihr angetan hat und an den Schmerz den er ihr bereitet hat. Ich dachte in diesem Moment dass er natürlich recht hat – genauso recht, wie mein Therapeut und alle, die es gut mit MIR meinen. In der Theorie klingt das alles immer ganz einfach. Also was spricht dagegen, wenn ich mir ab sofort nur noch konsequent vor Augen führe, dass er mich nicht mehr wollte, dass er mich nicht mehr ertragen konnte und dass eine andere Frau plötzlich verlockender erschien, als das Altvertraute? Theorie ist für mein Empfinden meist (oder immer?) rational – es hat mit solchen Momenten, in denen man jemanden (wieder-)sieht oder trifft, und die altvertraute Sehnsucht wieder da ist nur wenig zu tun; solche Momente sind einfach nur emotional und wie man das abstellen soll oder kann, weiß ich beim besten Willen nicht.

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    1. Weißt du, Harry, dass ich mir manchmal echt verarscht vorkomme? Ich möchte dir ja keine böse Absicht unterstellen, aber als ich deinen Kommentar gerade las, hat sich genau dieses Gefühl aufgedrängt. Ich verstehe grad nicht, was’n Ding ist und was ich für Sachen mache…

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    2. Is’n Ding, dass ich immer noch Sehnsucht habe? Dass ich ihm am liebsten hinterher laufen würde??? Hm… ist das sooo ungewöhnlich? Natürlich tut sich da immer noch was bei mir – was soll ich da sonst sagen…?!

      Aber dir viel Spaß in Azeroth – wo immer das ist und was immer es da gibt ;-)

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  1. Das ist sicher vielen bekannt, inklusive Mylord. Nix gegen Herrn Domian, aber einen solchen Rat halte ich für ziemlich daneben und er geht auch ziemlich an unserer Gefühlsstruktur vorbei. Es geht hier nicht um die Abwägung, sich einen neuen Laptop zu kaufen oder dergleichen.

    Meiner Ansicht nach hilft nach einiger Zeit des Verarbeitens und des Sichwiederfangens gegen eine alte Liebe am ehesten eine neue Liebe, auch wenn die natürlich zumeist nicht hinter der nächsten Ecke lauert. Sich darin üben, das Herz für einen neuen Mitbewohner bereit zu machen, erscheint mir auch konstruktiver, als sich den Ex schlecht zu denken, zumal auch das negative Denken ihn wieder in die gedankliche Gegenwart holt und negative Gedanken eh nur die eigene Seele dunkel umwölken.

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    1. Das meine ich doch – solche Strategien können doch bestenfalls dazu dienen positive Emotionen zu unterdrücken und negative zu schüren. Ich war ja auch schon fast soweit eine Negativ-Liste anzulegen (nicht nur imaginär, sondern auch zu Papier gebracht) und sie mir ständig vor Augen zu halten. Typische Sätze wie Vergiss ihn u.ä. das funktioniert bei mir einfach nicht und ich halte es auch für schwachsinnig. Warum sollte ich einen Menschen vergessen (wollen), der mir einmal sehr viel bedeutet hat? Vielmehr hoffe ich auf den Tag an dem sich eine gewisse Gleichgültigkeit einstellt und die Sehnsucht vergeht ihn sehen zu wollen, ihn berühren zu wollen, von ihm physisch berührt zu werden.

      Du hast sicher recht, was das Herz betrifft auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, wie dieses „bereit machen“ umzusetzen wäre. Ich werde mich wahrscheinlich sehr schwer damit tun mein Herz für einen anderen Mann zu öffnen, denn irgendwie ist es immer noch zu sehr besetzt von dem einen.
      Inzwischen habe ich immerhin begonnen es zu üben – wenn auch nur mit einem vierbeinigen Kerl ;-) Er fordert so viel Aufmerksamkeit, dass ich neben all der anderen Arbeit kaum dazu komme an M. zu denken und das ist wohl nicht der schlechteste Weg.

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  2. Ich möchte jetzt hier nicht Gedankengut von den Lichtjüngern vertreten: Aber sich die Vergangenheit schlecht denken, ist mit Sicherheit nicht hilfreich. Vielleicht sollte man im eher buddhistischen Sinne akzeptieren, dass alles, das eigene Leben, die Menschen darin und die Liebe einer steten Veränderung unterliegen. Letztendlich kann man nichts dagegen machen.

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    1. Mag sein, dass viele Dinge unabänderlich sind und mag sein, dass das ein natürlicher Prozess ist, aber das kann mich in manchen Momenten nicht wirklich trösten. Dann sollen sich die Typen doch ihr Scheißgelaber von der ewigen Liebe sparen und Sprüche wie Mit dir will ich alt werden, wenn sie es letztendlich doch nicht wollen, oder bereit sind auch wirklich 100 % für einen Beziehung zu geben!

      Mag sein dass es antiquiertklingt, aber für mich zählt ein Wort noch etwas – egal ob gesprochen oder geschrieben. Morgen sind es auf den Tag 5 Jahre, dass wir uns ein symbolisches Ja-Wort gegeben haben und morgen vor 2 Jahren wäre im Idealfall der Tag unserer „richtigen“ Eheschließung gewesen. Ob symbolisch oder „richtig“ – ich habe es ehrlich gemeint mit dem, was ich damals versprochen habe. Jetzt fange ich schon wieder an zu schwafeln. Ach Scheiße… ist wohl gerade keine gute Zeit für mich… ;-(

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  3. Er hat das wahrscheinlich auch ehrlich gemeint. In dem Augenblick zumindest. Jeder hat doch schon ehrlich gemeinte, auf Dauer angelegte Liebeserklärungen empfangen/abgegeben, die dann nicht eingehalten wurden. Und jedesmal verhärtet sich das Herz ein wenig mehr.

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    1. Das sollte es aber nicht; es sollte weichbleiben für die Liebe – ob sie nun noch (mal) kommt, oder nicht. Ein Herz voller Misstrauen macht irgendwann verbittert. Ich habe das schon bei anderen erlebt…

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