Verstört


 

Kein guter Tag gestern – oder besser gesagt kein guter Abend. Der Tag war eigentlich ziemlich relaxed und das kurze Intermezzo, als Katha sich fast auf den Kater legte, weil er und der Decke lag und sie ihn nicht gesehen hatte, haben wir noch mehr oder weniger belächelt, denn er konnte zum Glück noch rechtzeitig flüchten. Eine ganze Weile später tat ich dann allerdings etwas, was ich besser hätte bleiben lassen.

Seit der Kater bei uns lebt, scheint ihm die Waschmaschine mehr oder weniger Unbehagen zu bereiten. So gern wie er sich in den ersten Tagen dahinter versteckt hat, wenn die Maschine sich im Ruhemodus befand, so ungern hält er sich in ihrer Nähe auf, wenn sie läuft – dann sucht er prompt das Weite.

Unsere Waschmaschine hat schon etliche Jahre auf dem Buckel und mittlerweile auch schon einen dezenten Lagerschaden. So lang sie normal beladen ist, läuft sie einwandfrei, aber wenn sich mehrere, wasseraufnahmeintensive Teile in der Waschladung befinden, rumpelt sie spätestens im Intervall-Schleudergang dermaßen, dass ohne festhalten nix mehr geht. So auch Anfang der Woche. Ich habe keine Ahnung, wie der Kater auf dieses Extrem-Rumpeln reagiert hat, weil ich viel zu beschäftigt mit der blöden Maschine war und er sich längst schon wieder verkrochen hatte, aber ich schätze, es hat ihn nachhaltig beeindruckt.

Gestern Abend dann stellte ich die Maschine an ohne groß nachzudenken und ungeachtet der Tatsache, dass es gerade zu einer Zeit war, in der das Katerchen normalerweise sein Katzenklo aufsucht um größere Geschäfte zu erledigen. Das Katzenklo steht im Bad und dort steht auch – wer hätte es gedacht – die Waschmaschine. Was anschließend passierte, wird sich der eine oder andere denken können; Kater musste mal, konnte aber nicht ins Bad, weil dort sein Feind gerade seine Runden drehte und erledigte sein Geschäft kurzerhand dort, wo er sich gerade aufhielt. Große Aufregung für alle Beteiligten, zumal es der erste „Unfall“ dieser Art war. Nichtsdestotrotz flugs den Katzenschiss vom Küchenfußboden gewischt, Kater eingefangen und demonstrativ zu Katzenklo und laufender Maschine befördert und die Badezimmertür vorsorglich geschlossen, damit er nicht direkt wieder flüchten konnte. Ich weiß nicht, ob es richtig oder falsch war, aber ich folgte meinem ersten Impuls, dass er da jetzt durch musste und lernen muss, dass die Waschmaschine keine Bedrohung darstellt. So hockten wir dann zu dritt im Bad – der Kater fast erstarrt während Katha und ich beruhigend auf ihn einredeten und ihn mit Leckerlis versorgen um ihm zu zeigen, dass es gut so ist. Kurz danach entließen wir ihn wieder aus dem Bad und ich war schon voller Vorfreude (Ironie!) auf den gemeinsamen Abend mit dem Kater allein.

Der Rest des Abends verlief zum Glück ereignislos – aber auch ohne Kuschelrunde mit Kater auf dem Sofa. Er war wohl doch ziemlich verstört und die Verstörung hielt an. Ich habe keine Ahnung wo und wie er die Nacht verbracht hat, denn irgendwann war ich auch mal eingeschlafen, aber heute Morgen gab es kein Schnurren in der Nähe meiner Ohren und das hat mich dann doch etwas irritiert. Immerhin folgte er mir direkt in die Küche, aber auch dort kein ungeduldiges um meine Beine streifen, während ich sein Frühstück bereitete, sondern eher das ganze Gegeteil. Normalerweise schlingt er dann die erste Portion Futter in sich rein wie ein völlig Ausgehungerter, aber nicht heute; stattdessen fraß er in Etappen – immerhin fraß er überhaupt. Trotzdem hat es mich irgendwie beunruhigt und die Tatsache, dass er meiner hingestreckten Hand aus dem Weg ging und regelrecht zurückwich, hat auch nicht gerade zur allgemeinen Beruhigung beigetragen. Ich weiß nicht wie viele Stunden ich heute damit verbracht habe mich dem Kater anzunähern, so dass ich ihn wieder ohne Probleme anfassen konnte und er sich wieder freiwillig in meiner Nähe aufhielt – eine gefühlte Ewigkeit; aber irgendwie sind wir auch immer noch verstört – Tier und Mensch!

Wer Rat weiß, oder auch nur ein paar gute Worte der Beruhigung: Immer her damit, denn wir wären für jeden Rat, oder Erfahrungsbericht sehr dankbar.

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10 Kommentare

  1. Also wer sich so viele Gedanken um sein Katerchen macht, macht nix falsch :-) Kann das Katzenklo vielleicht für ne Weile woanders stehen, bis er sich an die rumpelnde Maschine gewöhnt hat? Dann muss man ihn halt nur zweimal wieder den Weg zeigen.

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    1. Das Katzenklo woanders hin stellen möchte ich eigentlich nur ungern – der Platz in unserer Wohnung ist begrenzt und außer dem Bad gibt es keinen passenden Raum; außerdem kennt er diese Stelle vom ersten Tag an und ich möchte ihn jetzt nicht noch zusätzlich verwirren. Habe aber inzwischen in Erwägung gezogen beim nächsten Waschen einfach die Badtür ganz zu schließen und das Katzenklo so lang vor die Badezimmertür zu stellen – ob das was bringt, wird sich dann zeigen.

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  2. Wenn Katzen in die Wohnung machen, hat das meistens etwas mit Protest zu tun. Ich würde die Waschmaschine ganz normal wie sonst auch laufen lassen und Katerchen während dessen weder besonders betüteln oder trösten. Er wird dann irgendwann lernen, das die Maschine etwas ganz normales ist. Gibt’s Du ihm Aufmerksamkeit und Leckerlies machst Du die Maschine evtl. erst recht zu etwas bedrohlichem. Und wenn er nach dem „Geschäftchen“ auf dem Fußboden auch noch Leckerlies im Bad kriegt, macht er vielleicht demnächst immer auf den Fußboden, wenn die Waschmaschine läuft…

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    1. Du hast ja recht – zu viel Aufmerksamkeit in solchen Situationen schadet vermutlich mehr als sie nützt. Das Leckerli hat er auch erst bekommen bevor ich ihn wieder aus dem Bad gelassen habe und er schon ’ne Weile neben der laufenden Maschine durchgehalten hatte – mein Gedanke war eben, dass er merkt dass es gar nicht so übel dort ist, auch wenn die Waschmaschine an ist. Wie sich das jetzt auswirkt wird sich wohl erst zeigen, wenn die nächste Wäsche fällig ist.

      War übrigens heute schon drauf und dran dich anzurufen – du bist schließlich die Katzenexpertin :-) – aber bin dann doch nicht dazu gekommen. Hoffe, ich schaffe es die nächsten Tage, zumal sich inzwischen schon ein neues Problem dazugesellt hat. Wir sprachen da letzte Woche schon mal drüber – vielleicht erinnerst du dich?

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  3. Also ich kann da nur aus meiner Hundeerfahrung sprechen. Wenn Hunde einmal so eine Phobie gegen ein Gerät haben, dann ist das ziemlich nachhaltig. Bei meinem wars der Staubsauger. Aber der Kleine wird sich bestimmt wieder einkriegen. ich meine, Ihr werdet ja nicht jeden Tag stundenlang waschen, oder? Vielleicht kann er sich arrangieren. Diese Desensibilisierungsmethoden haben bei meinem Hund jedenfalls nichts genützt. Katzenklo woanders wäre vielleicht wirklich am besten.

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    1. Der Staubsauger wird zum Glück problemlos toleriert – wenn auch nicht heiß geliebt – und ich hoffe, doch sehr, dass sich das nicht wirklich zu einer absoluten Phobie entwickelt. Suzka hat schon recht – er muss irgendwie merken, dass die Waschmaschine zu den normalen Alltagsgeräuschen einfach dazugehört und deswegen kein großes Gedöns veranstaltet wird. Okay… wir waschen natürlich nicht jeden Tag und auch wenn dann nicht stundenlang; ich muss auch nicht zwangsweise dann waschen wenn es auf den Abend geht, nachdem ich jetzt einmal so eine Aktion erlebt habe. Man kann abends wirklich fast die Uhr nach ihm stellen – so viel habe ich schon registriert – und diese Zeit könnte man ja dann auch wirklich zur „Ruhezeit“ erklären; zumal ich auch irgendwo gelesen habe, dass Katzen gern ihre Ruhe haben und ungestört sind, wenn sie aufs Klo gehen. Die Frage bezügl. des Katzenklo-Standorts habe ich ja bereits in meiner Antwort an Mr. Tastecup beantwortet – du hast es sicher gelesen…

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  4. Dein Katerchen ist nun nicht auf ewig gestört, doch mit der Waschmaschine wird er sich meines Erachtens auch nicht anfreunden bzw. arrangieren. Von daher ist es bestimmt richtig und wichtig, gerade in den nächsten vielen Wochen die Maschine dann anzustellen, wenn er nicht auf´s Klo muss ;-).
    Bei uns ist das absolut Böse der Staubsauger – und es sieht so aus, als ob das auf immer so bliebe. Und unsere sind mittlerweile schon 3 Jahre alt ohne sichtbare Schäden (auch wenn ich das vorher nicht für möglich gehalten habe, weil ich dachte: Oh Gott, was tust Du denen nur schreckliches an wenn die SO darauf reagieren *grins*).
    Und sieh doch einfach das Positive darin: Er hat momentan noch Angst vor dem Ding und das ist a) völlig normal (macht ja auch furchtbare Geräusche) und b) kannst Du davon ausgehen dass er sich NICHT da hinein legen wird. Ich habe mal in jungen Jahren in einer WG gelebt (übrigens zu Tigers Zeiten – er war auch noch ganz klein ;-)), die Mitbewohner hatten auch eine Katze, doch die war eines Tages spurlos verschwunden. Gefunden wurde sie tot in der frisch gewaschenen Wäsche – das war ganz ganz furchtbar. Deshalb schaue nun ich vor JEDEM Wachgang nach, ob eine der Katzen darin liegt!!!
    Dein Katerchen hat jede Menge zu lernen – und wie bei uns Menschen geht das leider nicht immer ganz „schmerzlos“ von statten. Und so, wie Du Dich um ihn kümmerst und bei ihm bist und ihn unterstützt, kann da wenig „verrutschen“ :-)))
    Und wer weiß, was Du Dir selber daraus ziehen kannst….. ;-) ??

    Alles Liebe, Sylvia ;-)

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar und ich freue mich ganz besonders von dir hier mal zu lesen :-)) Angesichts deiner Erfahrungsberichte scheinen die eigenen Probleme doch gleich viel kleiner – und die Geschichte mit dem toten Kätzchen in der Waschmaschine ist natürlich mehr als tragisch. Außerdem habe ich so auch Dinge erfahren, von denen ich keine Ahnung hatte – dachte, Tiger kam erst viel später als B. schon auf der Welt war.

      Was ich mir auf Dauer daraus ziehe, weiß ich noch nicht; aber wir hatten das die Tage ja schon bei Facebook – sie bereichern das eigene Leben definitiv und ich muss zugeben, dass ich die letzten 2 Wochen entschieden seltener und weniger an M. gedacht habe als sonst. Am Freitag war er natürlich sehr präsent in meinen Gedanken und auch heute hat mich die Erinnerung wieder eingeholt, aber der Kater verlangt gerade viel Aufmerksamkeit und das ist auch gut so. Ich werde nur aufpassen müssen, dass ich die Liebe zum Tier nicht mit der Liebe zu (den) Menschen verwechsele – ansonsten kann das einfach nur gut werden ;-)

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    1. Diese Antwort konntest du auch noch gar nicht gelesen haben, als du kommentiert hast – habe eure Kommentare gestern Abend hintereinander abgearbeitet, weil ich früher nicht dazu gekommen war.

      Ja, ich denke, er hat sich schon wieder gut eingekriegt. Er geht brav aufs Klo und als ich heute von der Arbeit kam und kurz zuhause war, lag er schon wieder ganz adonis-like auf der Couch und hat sich ganz gelassen kraulen lassen ^^ Heute Morgen wollte er zwar anfänglich nicht mit mir auf die Waage, resp. wollte sich fürs Wiegen nicht einfangen lassen, aber als wir erst auf der Waage standen, war auch das okay und sein Entwurmungsmittel hat er auch artig gefressen. Übrigens wiegt er aktuell 1,7 Kilo; du hattest ja letztens angemerkt, dass er schon ganz schön groß erscheint, gell? Ich weiß zwar gerade noch nicht, ob er mit diesem Gewicht für sein Alter im Schnitt liegt, aber das werde ich definitiv noch eruieren – muss mir langsam mal ’nen Google-Fragenkatalog zusammenstellen ;-) Dass er uns wieder liebt, resp. nie damit aufgehört hat, hoffe ich doch sehr! :-))

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