Wir entdecken unseren Körper

Die vorliegende Menschenkunde soll nicht eine auf Vollständigkeit hinzielende, umfassende Darstellung des menschlichen Körpers sein. Auch ist nicht eine anatomisch-wissenschaftliche Behandlung des Themas angestrebt. Diesen Zielen dient eine kaum übersehbare medizinische Fachliteratur.

Unsere Menschenkunde will unmittelbar dem praktischen Schulunterricht, vornehmlich in den oberen Klassen, dienen. Dieser Gesichtspunkt ist maßgebend sowohl für die Wahl des Stoffes als auch für die Art der Darbietung.

Aus dem vielschichtigen Stoffkomplex wurde – im Rahmen dessen, was dem Verständnis des Schulkindes zugänglich und zu bildlicher Darstellung geeignet ist – das ausgewählt, was zu den grundlegenden Kenntnissen gehört oder als besonders interessant erscheint. Großes Gewicht ist auf die Lebensprobleme gelegt, auf die Probleme, welche die Natur im menschlichen Körper zu lösen hat; diese Betrachtungsweise zeigt wichtige Zusammenhänge auf und regt zu eigenem Denken an. […]

Die Darstellungsweise muß sich dem Aufnahmevermögen des Schulkindes anpassen. Text und Bild müssen so einfach und klar, so anschaulich und leichtfaßlich wie nur möglich sein. Die Bilder sollen für sich sprechen und so instruktiv sein, daß sie sich in der Vorstellungswelt des Kindes leicht und tief einprägen. Nun bietet sich allerdings hier eine Schwierigkeit: es öffnet sich eine Kluft zwischen dieser unabdingbaren schulmäßigen Forderung und der Pflicht, auf dem Boden der wissenschaftlichen Wahrheit zu bleiben. Die daraus entstehende Gefahr muß erkannt, der Zwiespalt so gut wie möglich überbrückt werden; bei aller notwendigen Vereinfachung und Vergröberung darf die wissenschaftliche Wahrheit nicht verfälscht werden. Die Vorstellungen, die dem Kind vermittelt werden, dürfen zwar unvollständig und vereinfacht, müssen aber in ihrem grundsätzlichen, wesentlichen Gehalt richtig sein. Diese Vorstellungen sollen später weiter ausgebaut werden können, ohne daß bestehende Mauern oder gar Fundamente beseitigt und durch neue ersetzt werden müssen. […]

Im Sinne dieser Ausführungen möchte das Buch mithelfen, unsere Jugend mit dem Bau unseres Körpers und der Funktion seiner Organe vertraut zu machen und Grundlagen zu schaffen für weitere Erkenntnisse.

Bern und Zürich, im Herbst 1959

Aus dem Vorwort des Buches: Wir entdecken unseren Körper (Biologie 1) von Dr. Rudolf Hunziker, erschienen im Verlag Plüss AG, Zürich

 

Da schaut man doch gern mal genauer hin, denn allein dieses Vorwort lässt Lustiges, oder gar Schreckliches erahnen. Beispiel gefällig, was da den Schülern von einst vereinfacht und grob vermittelt wurde? Man achte auf die Feinheiten ;-)

 

 

Da habe ich im Anatomieunterricht manches aber ein bisschen anders gelernt ^^

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8 Kommentare

    1. Gute Frage. Vielleicht sollte man mal jemanden fragen, der sich da auskennt – du kennst doch bestimmt den einen oder anderen Schweizer? ;-) Immerhin steht es so in diesem alten Schulbuch und wenn man bedenkt, dass wir ja alle irgendwie mal als „Schwanzträger“ angefangen haben, ist es wohl gar nicht so unwahrscheinlich.

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    1. Aber wirklich – musste mich sehr beherrschen nicht laut zu lachen und mir auf die Schenkel zu klopfen ;-)) Das Schulterblatt scheint mir relativ normal, aber die Rippen.Zwei „falsche“ Rippenpaare, also Rippen, die blind enden (ohne Verbindung zum Brustbein), waren mir bekannt – aber 5 Paar? Ob die Schweizer anders gebaut sin? ;-D

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    1. Mal schauen, ob wir das eruieren können – einer meiner Nachbarn hat da vielversprechende Kontakte. Wenn es neue Erkenntnisse gibt, werde ich die umgehend nachreichen ;-)

      P.S. Momentan kommt eins zum anderen. Jetzt ist auch noch das Laptop defekt – also nicht wundern, wenn ich die nächsten Tage noch seltener hier anzutreffen bin. Liebste Grüße an dich :-)

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