Made in China


 

Was für eine Woche!

Montag: In einem Anflug weiblicher geistiger Umnachtung beschloss ich im nächstgelegenen Penny-Markt mal schnell einen neuen Küchenspülen-Einhebelmischer zu kaufen. Das Angebot und der sagenhafte Preis von nur 29,99€ war nur allzu verlockend und meine gute alte Kludi nach nunmehr fast 20 Jahren doch schon sehr unansehnlich verkalkt und obendrein undicht – und eine Geschirrbrause wollte ich auch schon immer mal haben. Im Markt angekommen konnte ich tatsächlich das letzte Modell ergattern und in Erwähnung eines tollen Schnäppchens schleppte ich meinen neuen Schatz überglücklich nachhause. Am Abend dann erstes vorsichtiges Anklopfen in der Nachbarschaft um zu eruieren, wer mir das Teil einbauen wird. Ich bin zwar praktisch nicht völlig unbegabt, aber eine Mischbatterie, an der auch noch zwingend meine Spülmaschine angeschlossen werden muss, ist mir dann doch eine Nummer zu groß. Nachbar 1 erklärte sich spontan bereit den Einbau zu übernehmen und das schon am nächsten Tag. Ich wähnte mich fast im 7. Himmel. Kurz vorm Schlafengehen studierte ich schon einmal die, in gefühlt alle osteuropäischen Sprachen übersetzte, Montageanleitung. Erste leichte Unruhe machte sich breit und ich fand nur schwer in den Schlaf.

Dienstag: Zuhause angekommen machte ich mich zügig an die Vorbereitung der Baustelle und kurz darauf traf Nachbar 1 frisch geduscht und gut gelaunt in meiner Küche ein, um sich unverzüglich an die Arbeit zu machen. Doch schon der Ausbau meiner alten Mischbatterie gestaltete sich mehr als schwierig – meine Küche ist klein, der Platz unter der Spüle ziemlich begrenzt und der Nachbar ziemlich groß. Zu allem Überfluss schien die alte Kludi im Laufe der Jahre fest mit ihrer Umgebung verwachsen zu sein und dachte nicht daran, ihren angestammten Platz mal eben so zu verlassen. Brachiale Gewalt war nötig um sie vom Gegenteil zu überzeugen und mit vereinten Kräften konnten wir sie schließlich doch der Spüle entreißen. Anschließend fix zum Baumarkt um die noch fehlenden Teile zu organisieren und dem unproblematischen Einbau des neuen Mischers sollte nichts mehr im Wege stehen – so zumindest meine stille Hoffnung. Dass ein offenbar strategisch wichtiges Montageteil bei meinem neuen Einhebelmischer komplett fehlte versuchten wir galant zu ignorieren,  zumal wir uns auch nicht wirklich im Klaren waren, wie dieses Teil aussehen könnte und wir auf die Schnelle im Baumarkt keinen adäquaten Ersatz finden konnten. Stunden später hatte Nachbar 1 noch etliche Male geduscht, aber das Teil saß tatsächlich an Ort und Stelle und alles war ordnungsgemäß angeschlossen – wenn auch nicht wirklich fest und schon gar nicht wirklich dicht; aber um diese Kleinigkeit wollte Mann sich am nächsten Tag kümmern, da es doch ziemlich spät geworden war. Später am Abend traf ich zufällig noch Nachbar 2, involvierte in kurz in das Hauptereignis des Tages, das Problemkind wurde umgehend begutachtet und er versprach die undichte Stelle am Mittwoch zu beseitigen.

Mittwoch: Während ich in der Badewanne dümpelte und mich auf das Essen in der Nachbarschaft vorbereitete, lag Nachbar 2 unter meiner Spüle und nur gefühlte Minuten später ereilte mich die frohe Kunde, dass nun alles dich sei. Halleluja! Einem entspannten Abend im Kreise lieber Nachbarn stand nichts mehr im Wege und um die entgültige Befestigung würde man sich später kümmern. Während des Abendessens machten sich erste zaghafte Gedanken breit, ob es nicht sinnvoll wäre eine komplett neue Küche um die Armatur zu bauen.

Donnerstag: Schon am Morgen musste ich feststellen, dass nichts wirklich dich war und es über Nacht unter meiner Spüle munter vor sich hin getropft hatte. Zu allem Überfluss tropfte auch die Geschirrbrause, auch wenn schon seit Stunden kein Wasser mehr gelaufen war. Also wieder Nachbar 2 informiert, der sich direkt bereit erklärte sich am Wochenende darum zu kümmern. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir am liebsten wahlweise für meine Unbesonnenheit in den Arsch gebissen, oder das Drecksteil ausgebaut und der nächstbesten Penny-Verkäuferin um die Ohren gehauen. Abends schrieb ich vor lauter Verärgerung eine Mail an den Großhändler, weil auf der Verpackung natürlich KEIN Hersteller angegeben ist – eine Antwort steht noch aus.

Freitag: Wie nicht anders zu erwarten tropfte es emsig weiter. Die Planung der neuen Küche nahm in meinem Kopf langsam konkrete Gestalt an und abends traf ich mich mit Nachbar 2 zur Lagebesprechung.

Samstag: Am Nachmittag lag Nachbar 2 dann wieder einmal unter meiner Spüle, aber trotz intensivster Bemühungen war es nicht möglich zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Immerhin hatte der Nachbar vorab schon einmal meine künftige Küche auf der Seite eines schwedischen Möbelherstellers geplant und mir das Ergebnis präsentiert. Ich war schwer beeindruckt und ging zum ersten Mal in dieser Woche mit dem Gefühl schlafen, dass alles gut werden wird.

Sonntag: Ruhetag! Ich werde heute alles was tropft geflissentlich ignorieren – ebenso in den kommenden Tagen. Werde eben regelmäßig den Blumentopf unter meiner Spüle entleeren und sobald das Material vollzählig eingebunkert ist und meine Helfer abkömmlich sind, werden wir eine neue Küche bauen. Was täte ich bloß ohne meine Nachbarn!? Ich könnte glatt einpacken ;-)

Fortsetzung folgt!

Advertisements

4 Kommentare

  1. Haha. So eine ähnliche Geschichte hat sich bei uns auch abgespielt mit einem nahezu identischen Teil, das bei einem Baumarkt im Angebot war.

    Es dauerte einige Wochen, bis das Teil erfolgreich eingebaut war. Schließlich doch von einem Fachmann (der ob seiner Leibesfülle den Raum unter der Spüle gut ausfüllte), weil wir das komische Werkzeug gar nicht hatten, um die vorherige Mischbatterie ausbauen zu können. Die Küche konnte immerhin bleiben ;-)

    Gefällt mir

    1. Irgendwie fehlt mir jetzt gerade wieder der „Daumen hoch“-Button à la Facebook ;-)

      Wenn ich mir deine Geschichte jetzt betrachte, bin ich mir sicher, dass du gut nachvollziehen kannst, was ich die Woche mitgemacht habe. Überflüssig vermutlich auch zu erwähnen, dass ich den Herstellerstaat erst gewahr wurde, nachdem das Miststück längst eingebaut war! Mit PRC konnte ich nicht wirklich was anfangen – Nachbar 2 hat mich dann vorgestern erst einmal aufklären müssen ;-)

      Gefällt mir

  2. Oh, du hast Dein Blog umgearbeitet! Gefällt mir sehr gut, so hell und aufgeräumt. Und nette Nachbarn hast du, bestimmt verdienst du die (ich habe zumindest links ganz böse, verdiene ich die auch?)

    Gefällt mir

    1. Hehe… nachdem du dich letztens schon beschwert hast, dass die Schrift auf dem Untergrund schlecht lesbar ist, MUSSTE ich ja mal wieder umräumen ;-)

      Und ob ich meine netten und vor allem patenten Nachbarn verdient habe, mag ich nicht zu beurteilen, aber ich finde, jeder sollte solche großartigen Nachbarn haben – und du hast bestimmt KEINE bösen Nachbarn verdient!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s