Der Mai ist gekommen


 

Etwas plärrt unangenehm in meinen Ohren, als ich heute Morgen ansatzweise wach werde. Ich realisiere noch im Halbschlaf, dass es sich um die Titelmelodie von Shaun, das Schaf handelt. Hilfeee. Ich taste nach der Fernbedienung um auf die Uhr zu schauen und dem Schaf so schnell wie möglich den Garaus zu machen. 07:03 Uhr und es ist Feiertag – also gibt es eigentlich keinen Grund jetzt schon aufzustehen. Ich schalte auf einen weniger nervtötenden Fernsehsender um, in der Hoffnung, noch ein bisschen dösen zu können, aber das gewiefte Katzentier hat längst gemerkt, dass ich wach bin und fordert energisch Frühstück ein. Also raffe ich mich zähneknirschend auf, schleiche, wie Gott mich schuf, in die Küche und fülle den Futternapf der Katze. Sie fängt sofort geräuschvoll an zu fressen und ich habe jetzt erst einmal Zeit für mich. Fast automatisch bereite die Kaffeemaschine vor, während bereits die erste Zigarette zwischen meinen Lippen klebt, und wanke ins Bad. Gerade noch rechtzeitig kann ich der weichen braunen Masse am Boden ausweichen. Argh! Die Katze hat mal wieder einen Blumentopf ausgeräumt. Den Blick in den Spiegel spare ich mir lieber und steuere direkt auf die Toilette zu. Ein kurzer Blick aus dem Fenster bestätigt meinen Verdacht, dass es alles andere als ein strahlender Frühlingsmorgen ist. Zwar trocken, aber wolkig und ein bisschen Frühlingsblau lässt sich bestenfalls erahnen. Aber egal – ich habe eh noch keine Pläne für den Tag.

Minuten später dampft der erste Kaffee in meiner Tasse und ich rieche wieder unter meine Bettdecke. Wozu auch aufbleiben? Es ist Feiertag, ich muss nicht arbeiten und für Frühstück ist es noch viel zu früh. Außerdem hat mir ein kurzer Blick auf meine Waage gerade bestätigt, dass ich die nächsten Tage tunlichst mal gar nichts essen sollte, wenn ich nicht völlig verfetten will. Zu viel Eis und Kekse die letzten Tage – von Pasta und anderem fettigen Kram ganz zu schweigen – und wenn ich ehrlich bin, dann geht das schon seit mindestens Weihnachten so. Keine Trennung ist wie die andere. Nach der ersten Trennung von M. bin ich ziemlich abgemagert. Der Tiefpunkt war bei gut 51 Kilo erreicht, was verteilt auf knapp 170 cm definitiv zu wenig ist. Diesmal ist es ganz anders. Ersatzbefriedigung? Kummerspeck? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem und ich ärgere mich über mich selbst, weil ich augenscheinlich so schwach und undiszipliniert bin.

Während ich noch über meine vermeintlichen Unzulänglichkeiten sinniere räkeln sich im TV Demi Moore und Woody Harrelson in den Laken und meine Gedanken schweifen unwillkürlich ab in die Vergangenheit. Nicht an unmoralische Angebote, aber an Hände auf meinen nackten Beinen und an Sex. Ich erinnere mich, wie es am Anfang unserer Beziehung war und wie es meinetwegen bis zum St. Nimmerleinstag hätte sein können. Es war mehr als rein und raus und pure Triebbefriedigung. Es war… Ja, was war es eigentlich? Es fällt mir schwer es in Worte zu fassen, ohne das es irgendwie pathetisch klingt und an die Superlative, die M. damals oft und gern benutzt hat, mag ich jetzt gerade gar nicht denken. Am besten gar nicht mehr daran denken und auch nicht daran, wie schön es jetzt wäre nicht nur das Frühstück auf später zu verschieben, weil ich noch keine Lust darauf habe, sondern einfach weil man gerade besseres zu tun hat, als an Nahrungsaufnahme zu denken. Okay – Schnitt!

Inzwischen sieht es wettermäßig schon viel besser aus. Die Wolken haben sich komplett gen Norden verzogen und es wird wohl doch noch ein schöner Tag werden. Noch ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht und ’ne kalte Dusche könnte auch nicht schaden ;-)

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