Ich will raus!


 

Als ich heute zum zweiten Mal an diesem Morgen wach werde, muss mein Handy schon mehrere Male geklingelt haben, aber nach dem ersten Klingeln um viertel vor sechs habe ich das folgende Gepiepse irgendwie nicht mehr registriert. Das ist so eigentlich nicht vorgesehen! Mein Wecker klingelt morgens immer extra früh, weil ich es einfach liebe noch mindestens zweimal die Schlummertaste zu drücken und mich noch einmal genüßlich umzudrehen mit der Illusion, noch ewig schlafen zu können, bevor ich letztendlich doch aufstehen muss. Außerdem brauche ich morgens ein bisschen Zeit für mich – Zeit, um mit mehreren Tassen Kaffee in relativer Ruhe den Tag zu beginnen. Nach dem ersten Klingeln habe ich geträumt – ziemlich bescheuertes Zeug – und als ich endlich aus diesem Traum erwache, bestätigt ein kurzer Blick auf mein Handy einen ersten diffusen Verdacht. Verschlafen, verdammt! Die Uhr zeigt kurz vor sieben – also bleiben mir gerade mal 25 Minuten zum Kaffee trinken, Zähneputzen und Frühstück machen. Eigentlich ein Unding, da ich im Normalfall mindestens eine gute Stunde brauche, aber wenn’s drauf ankommt, kann ich auch binnen Minuten fertig sein. Ärgerlich trotzdem, zumal ich gestern nicht einmal besonders spät schlafen gegangen bin, aber das vergangene lange Wochenende war auch nicht sehr erholsam. Fünf Tage die immer gleiche penetrante Geräuschkulisse eines Pfingstmarktes in Hör- und Sichtweite können einem schon den letzten Nerv rauben. Am liebsten wäre ich schon Freitagnacht abgehauen, aber ohne Plan und Ziel und vor allem MIT Katze war das einfach unmöglich.

Es gongt gerade zur 1. Stunde, als ich das Auto auf dem Parkplatz abstelle – also noch früh genug, aber auch nicht zu früh. Leichte Unlust macht sich breit, während ich den Hof überquere, denn der Tag hat einfach schon scheiße angefangen und mir fehlt ca. ein halber Liter Kaffee im System. Außerdem bin ich immer noch verärgert über den Hausmeister und hoffe inständig, ihm nicht schon am frühen Morgen begegnen zu müssen.

Hausmeister sind offensichtlich schon ein Fall für sich, aber die Spezies, die an Schulen arbeitet, scheint irgendwie noch spezieller zu sein. Über die merkwürdigen Anwandlungen von Schulhausmeistern wussten diverse Zungen schon vor längerer Zeit einiges zu berichten. Meine eigenen Erinnerungen sind eher nebulös und spezielle Hausmeister aus alten Schulzeiten kommen mir eher nicht in den Sinn. Aber wie auch immer, dieser Hausmeister, den ich jetzt fast täglich vor Augen habe, mag mich nicht und mochte mich wohl von Anfang an nicht – warum auch immer.

Aber keine Sorge, Hausmeisterlein! Die Antipathie beruht auf Gegenseitigkeit – ich mag Sie nämlich auch nicht.

Die ganze vergangene Woche habe ich darauf gewartet, dass der Hausmeister endlich mal vorbeikommt. Eigentlich nur eine Kleinigkeit, denn er sollte lediglich mal schauen und abschätzen, was es kosten würde, wenn wir einen einzigen Raum farbig neu gestalten. Wahrscheinlich keine 5 Minuten Arbeit (okay – Anlaufweg NICHT mit eingerechnet), aber er war schon angepisst, als er vor über einer Woche von dieser geplanten Aktion erfuhr. Er dachte ernsthaft, dass ich auf eigene Faust und ohne Absegnung von oben mal eben die Schule streichen will. Geht’s noch??? Dabei war es nicht mal meine Idee diesen Raum komplett zu streichen, aber egal jetzt. Fakt ist, dass ich einen Kostenvoranschlag brauche, der dann darüber entscheidet, ob das Projekt genehmigt wird oder nicht, und wenn ich diese Genehmigung nicht bekommen würde, wäre das ziemlich blöd und es müsste eine Alternative her.

Bis gestern habe ich gewartet, weil ich den Hausmeister nicht übergehen wollte – aber ich bin nicht gewillt, irgendjemanden hinterherzulaufen. Vor einer Stunde habe ich die vorläufige Kostenaufstellung bei der Schulleitung eingereicht – mit der Bitte um zeitnahe und wohlwollende Beurteilung. Da solch eine Raumveränderung aber nun mal in den Zuständigkeits- und Fachbereich des HAUSMEISTERS fällt, erwiderte die Schulleitung, dass wir den Hausmeister dann aber auch in das Projekt integrieren müssten – vonwegen fachlicher Kompetenz und so.

„MÜSSEN wir das? Wir haben Schüler, die echt fit und willig sind und ich selbst bin passionierte Heimwerkerin. Sowas mache ich schon mein halbes Leben allein und ohne männliche Hilfe.“

„Ach ja?“

Das würde mir gerade noch fehlen. DER Hausmeister, der hier tagelang herum schleicht und seiner Fachkompetenz Ausdruck verleiht – in welcher Form auch immer. Na vielen Dank!

Vorhin auf dem Damenklo ist mir übrigens schlagartig eingefallen, woran mich dieser Mensch erinnert. Irgendwie hat er was von einer Ratte und es ist wohl überflüssig zu erwähnen, was ich von Ratten halte!? Noch zwei Stunden bis Feierabend. Manchmal will ich hier nur noch raus.

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4 Kommentare

  1. Ich stell mir gerade eine Ratte in so einem grauen oder blauen Kittel vor, ein riesen Schlüsselbund aus der Hose hängen; in der einen Hand einen Abfallsack und in der anderen so eine Zange, mit der man den Müll aufheben kann ohne sich zu bücken. Hat er auch nur noch nen Haarkranz, aber lässt auf der einen Seite die Haare wachsen, damit er sie über den Schädel legen kann? So einen kannte ich auch mal, so einen Facility Manager. Die Haare natürlich gegelt und bei Wind sind die immer hochgeklappt wie eine Einstiegsluke. Der Brüller.
    Gruß,
    tastecup

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    1. Allerliebst, deine Phantasien ;-D Leider muss ich die enttäuschen, was das Styling betrifft. Er trägt weder ’nen Kittel, noch hängt da irgendwo ein fetter Schlüsselbund. Und was die Frisur betrifft… hm… ich könnte dir nicht mal sagen, wie genau der seine Haare trägt. Definitiv kurz und kein Gel, aber sonst? Irgendwie kann ich mir Frisuren bei Männern gar nicht merken, es sei denn die Haare sind lang, und der trägt auch oft ein Basecap. Außerdem sehe ich ihn meist nur flüchtig… aber ich werde demnächst mal auf die Details achten ;-)

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  2. Das Kreuzberger Mietshaus, in dem wohne, gehört dem ehemaligen Adjudanten des Wüstenfuchses (Rommel). Und sein damaliger Adjudant wiederum ist heute sein Hausverwalter. Weil sie beide so alt sind, beschäftigen sie aber noch extra eine kleine dynamische Hausverwaltung. Unten im Seitenflügel befindet sich eine Bäckerei und vorne ein Café und ein Döner-Imbiß – all das gehört Herrn Topal, der auch unser Hausmeister ist. Er macht das ehrenamtlich, d.h. wenn man ein Problem hat, geht man einfach zu ihm – und meistens weiß er Rat. Neulich brauchte ich wegen eines Kabelbrandes einen Elektriker. Herr Topal kannte einen – und der reparierte mir dann auch alles ganz prima. Als ich ihn fragte, was er dafür haben wolle und ob ich eine Quittung bekommen könne, damit der Hauseigentümer mir das Geld zurückgebe, schickte er mich zu Herrn Topal. Dieser meinte dann: “Das mach ich selber mit dem Eigentümer klar, notfalls ziehe ich es ihm von der Miete ab.” “Aber, Herr Topal”, sagte ich, “dass kann ich doch auch – es von der Miete abziehen …” “Nein, nein – lassen Sie, ist schon gut!” “Wie kann ich das wieder gutmachen?”, fragte ich ihn zuletzt. “Behalten Sie mich in Ihrem Herzen”, antwortete Herr Topal. Tief beeindruckt über so viel Nachbarschaftshilfe schlich ich in meinen Seitenflügel zurück.

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    1. Spam, oder nicht Spam? Das ist hier die Frage. Eine nette Geschichte, die sich wirklich so zugetragen haben könnte und zumindest inhaltlich zu meinem Posting passt. Aber wie passt eine kanadische Yahoo-Adresse und diese Website zu einem vermeintlichen Bewohner eines Berliner Mietshauses? Hm…

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