Klaustrophobie

Foto: © Walter Schiesswohl ~ schiesswohl-blog.com

 

Vorgestern war es soweit. Einer meiner schlimmsten Alpträume sollte wieder einmal Wirklichkeit werden, denn ich musste zur MRT! Jeder, der diese fiese Art der diagnostischen Untersuchungsmethode schon einmal hinter sich gebracht hat, weiß, wovon ich rede und Menschen, die in allzu großer Enge leichtes Unbehagen bis Panik verspüren, können ein Lied davon singen was es bedeutet, wenn man in die „Röhre“ muss.

Fatalerweise hatte ich, in Anbetracht der Tatsache, dass noch Ferien sind und ich es meiner Süßen nicht zumuten wollte, schon mitten in der Nacht aufzustehen, den Termin für die frühen Abenstunden vereinbart. Somit hatte ich aber über den Tag reichlich Zeit mich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen – nicht gerade förderlich, wenn man sich eh schon seit Wochen beschissen und angespannt fühlt. Leichtes bis heftiges Unbehagen stellten sich demnach schon ein, bevor wir das Haus überhaupt verlassen hatten. In solchen Momenten hilft es dann nur herzlich wenig sich einzureden, dass das nun einfach sein MUSS und man es definitiv überleben wird – das Unbehagen bleibt. Meine inzwischen vorletzte MRT liegt zwar schon 15 Jahre zurück, aber ich konnte mich plötzlich wieder ziemlich lebhaft daran erinnern – auch an die Tatsache, dass ich mit Diazepam abgeschossen wurde, um diese Prozedur überhaupt hinter mich bringen zu können. Das war wohl aber auch der kleine Silberstreif am Horizont: Zu wissen, wenn nichts geht, dann hilft eben Schwester Valium. So konnte ich zumindest die Fahrt nach Marburg relativ gelassen hinter mich bringen.

In der Praxis angekommen ging es zum Glück relativ zügig voran, sprich: Anmelde- und Wartezeit hielten sich in Grenzen. Beim Vorgespräch mit einer Ärztin lies ich vorsichtig anklingen, dass ich schon Schiss hätte, weil nicht die erste MRT. Sie meinte nur, ich solle die Augen einfach zumachen und am besten auch zu lassen – dann ginge das schon. Also doch:

Augen zu und durch!!!

Zu wissen, dass mich meine Süße in den Untersuchungsraum begleiten durfte, war schon eine Erleichterung. Sie konnte in unmittelbarer Nähe sein und hätte es nicht zugelassen, dass ich auf Gedeih und Verderb meinem Schicksal ausgeliefert bin – so zumindest meine Hoffnung. Doch bereits in der Umkleidekabine kam es schlagartig über mich: Ich WILL da nicht rein – das werde ich nicht aushalten! Aber wenn ich eine gesicherte und aussagekräftige Diasgnose wollte, MUSSTE ich da rein und einfach abzuhauen hätte nur einen kurzzeitigen Aufschub gebracht.

Der Gang über die Stufe hoch zum Gerät glich einem Gang zum Schafott und nur Augenblicke später fand ich mich, hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken, auf der Pritsche wieder und wurde postwendend in die Röhre gefahren – die Augen krampfhaft geschlossen und für so gut wie nichts auf der Welt hätte ich sie in diesem Moment wieder geöffnet. Weder die Bachblütenpastille in meinem Mund noch der Notrufknopf in meiner Hand konnten mir in diesem Moment Erleichterung verschaffen – ich spürte nur mein Herz, dass mir gefühlt bis zum Hals schlug und überlegte krampfhaft, wie ich die nächste Viertelstunde hinter mich bringen sollte. Kurz darauf setzten die altbekannten Geräusche ein, die durch meinen Kopfhörer nur unmerklich gedämpft wurden. Diese rhythmische Klacken, das sich mit Dröhnen und undefinierbaren schwingungsartigen Geräuschen abwechselt und einem jegliches Gefühl für Zeit und Raum raubt. Gut für mich aber in diesem Moment, denn indem ich versuchte die Klackgeräusche zu zählen, lenkten sie mich ein bisschen von meinen eigenen Befindlichkeiten ab und jede Geräuschveränderung zeigte mir an, dass es voran geht. Blöd nur, dass mit jeder Bewegung der Liege meine Hände Kontakt mit der Röhrenwand bekamen und mir jedesmal schlagartig bewusst wurde, wie verdammt eng es da drinnen ist und ich eben NICHT irgendwo wohlig eingekuschelt herumliege. Ein zaghafter Ruf nach meiner Süßen verhallte im Nirwana – wie hätte sie mich auch hören können, selbst mit Kopfhörer auf den Ohren? Ich hätte sie vorher bitten sollen mich am Bein, oder wo auch immer möglich, anzufassen, wenn sie schon nicht meine Hand halten konnte – aber zu spät. Ich weiß nicht, wie oft ich mir in dieser nicht enden wollenden Viertelstunde eingeredet habe, dass ich das aushalte und wie oft ich kurz davor war, den Panikknopf einfach zu drücken, um diesem Monster zu entfliehen – wirklich erleichtert war ich erst, als ich die Stimme der freundlichen RTA, oder wie auch immer sie sich nennen, wieder hörte und wusste, dass es endlich überstanden ist.

Wieder zuhause habe ich mich direkt ins Internet gehängt und gefunden, was ich hoffte zu finden: Eine Alternative zur konventionellen MRT – und die gibt es! Eine offene MRT mit Sicht nach beiden Seiten. Sollte ich also wieder einmal in die Verlegenheit kommen, ist es mir scheißegal, wie weit ich fahren muss – aber bloß nie wieder in die „Röhre“!

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