Katzenjammer


 

Der Katzenjammer (Studentensprache, Goethezeit) bezeichnet:

  • den Kater nach einem Alkoholrausch mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Gemütsverstimmung und Niedergeschlagenheit
  • die Ernüchterung nach überschwänglicher Freude
  • auch Gewissensqualen, Reue

Das Wort Katzenjammer ist die entschärfte Version des ursprünglichen Ausdrucks „Kotzen-Jammer“ aus der Goethe-Zeit.

Die lateinische Entsprechung, über die der Katzenjammer in die medizinische Fachsprache Eingang gefunden hat, heißt crapula, was in der Übersetzung eben auch Rausch bedeutet.

Das Wort gehört zu den Tiervergleichen wie Löwenmähne, Bärenhunger, Schweinsgalopp, Bienenfleiß, Sauwetter, Hundstag, Affenschande.

Im 19. Jahrhundert hat der Dichter Friedrich Schlögl den Katzenjammer beschrieben:

Heute ist der süße Rausch verflogen; der Katzenjammer ist geblieben. Der Katzenjammer! Es gibt verschiedene Stadien dieses Zustandes und auch zweierlei Arten desselben. Der sozusagen leibliche Katzenjammer ist bald zu heilen. In der Volksapotheke ist hierfür der Gebrauch des „Haarauflegens“ ein beliebtes und meist auch untrügliches Mittel. Dieses Haarauflegen variiert nun wieder in den Nuancen der dazu verwendeten Säure und richtet sich nach dem habituellen Geschmacke, dem Bildungsgrade und den Geldmitteln des betreffenden Patienten.“

Friedrich Schlögl: Aschermittwoch

Bereits im Handbuch der Drogisten-Praxis, Band 25: Erster Theil von 1893 wird als ein Verwendungszweck für Salmiakgeist angegeben:…Medizinisch innerlich in kleinen Gaben (6–10 Trpf.) in ½ Glas Wasser gegen Trunkenheit und Katzenjammer…

Quelle und Zitat: Wikipedia

 

Nein, ich hatte keinen Alkoholrausch – weder gestern, noch in den letzten Monaten. Mein Katzenjammer passt eher in die beiden anderen Kategorien, auch wenn eine gewisse Niedergeschlagenheit ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist, denn ich bin nach wie vor krank und bis dato weiß niemand so recht, was mir fehlt. Mittlerweile eiere ich zwar nicht mehr so schlimm durch die Gegend wie noch vor zwei bis drei Wochen, aber ein Normalzustand ich auch noch nicht erreicht. Letzte Woche war ich trotz allem relativ euphorisch und wollte heute eigentlich einen Arbeitsversuch starten – aber ich bin kläglich gescheitert. Nach einer halb durchwachten Nacht, mit zu vielen Gedanken im Kopf und Schmerzen hier und da, kam ich nach vier Stunden Schlaf zwar kurzfristig auf die Füße, aber hätte einen 8-Stunden-Tag wohl kaum durchgestanden. Diese Ungewissheit, gepaart mit dem Umstand, dass noch keine gravierende Besserung eingetreten ist, zerrt mittlerweile sehr an meinen Nerven.

Das Gefühl wie eingesperrt zu sein, weil mein Aktionsradius mit Ausnahme von ein paar örtlichen Lebensmittelgeschäften und Arztpraxen auf meine vier Wände beschränkt sind, macht es auch nicht gerade besser, sondern eher schlimmer. Gestern war ich das erste Mal seit Anfang Januar auf einen Espresso bei meinem Lieblingsitaliener. Wirklich genießen konnte ich diesen kurzen Café-Besuch aber nicht, denn zu groß war die Angst, dass rein zufällig irgendein Kollege, oder gar Vorgesetzter, vorbeikommen könnte. Eigentlich ist das Blödsinn, denn jeder Kranke, der nicht gerade aus welchen Gründen auch immer ans Bett gefesselt ist, hat das Recht sich tagsüber im Freien aufzuhalten – aber ich möchte mir trotzdem nicht ausmalen, was man denke würde oder könnte, wenn man mich, vermeintlich munter, in der Öffentlichkeit meinen Espresso schlürfen sieht.

Vor zwei Wochen war ich endlich beim Neurologen und der Termin verlief im Großen und ganzen wie erwartet. Neurologen scheinen ja per se einen an der Waffel zu haben und so erstaunte mich seine latente Unfreundlichkeit und die recht kurz angebundene Art nicht sonderlich. Verstanden habe ich auch nicht wirklich alles, was er äußerte, was aber weniger an meinem Gehör und meiner Auffassungsgabe lag, sondern eher daran, dass er, wenn er denn sprach, vor sich hin nuschelte ohne mich anzusehen. Nach der ersten Untersuchung wagte ich dann doch einmal so etwas wie ein normales Gespräch zu führen. Dr. XY, der es wohl als puren Luxus erachtet sich seinen Patienten namentlich vorzustellen, zeigte dann doch eine deutliche Reaktion, als ich ihm von meinem Methotrexat-Konsum im vergangenen Jahr berichtete. Da hatte er mir wirklich für einen Moment ernsthaft zugehört, denn seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Methotrexat schädigt die Nerven – da haben wir ja die Ursache, auch wenn es noch etwas anderes sein könnte. Nach endlosem Warten folgen die restlichen Untersuchungen und nach weiterem endlosem Warten ein abschließendes Gespräch. Fazit: Keine erkennbaren Nervenschädigungen und offensichtlich auch nichts anderes gravierendes Neurologisches – allerdings bedachte er mich noch mit der Ankündigung einer erneuten Blutentnahme, bevor er mich endgültig entließ. Es folgte eine längere Stadtrundfahrt, die so nicht geplant war, denn eigentlich wollte ich auf dem direkten Weg zum Bahnhof. Sollte ich mal wieder in die Verlegenheit kommen in Marburg einen Stadtbus zu besteigen, werde ich mich nicht nur vergewissern in die richtige Linie zu steigen, sondern den Busfahrer fragen, wohin dieser Bus denn nun definitiv fährt. Fast hätte ich deswegen meinen Zug verpasst und hätte mich der Busfahrer nicht an einer roten Ampel aussteigen lassen, hätte ich ihn definitiv nicht mehr erwischt.

Letzte Woche durfte ich dann mal wieder zur Blutentnahme antreten. Dr. XY hatte mir zu all dem anderen Routinekram noch ein nettes Vaskulitis-Screening zugedacht, was mir prompt wieder fast schlaflose Nächte bescherte. Zur Vaskulitis und den verschiedenen Arten der Vaskulitiden möchte ich mich hier nicht näher auslassen – wenn es interessiert, der möge es googeln.

Heute habe ich meine Laborwerte bekommen und so ziemlich alle Werte sind erfreulicherweise im grünen Bereich, bis auf meinen Eisenspiegel, der scheinbar momentan im Keller weilt. Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht, was mir fehlt, aber es kann ja nun nicht schaden, meine Eisenversorgung etwas im Auge zu behalten. Werde mir also heute Abend ein fettes Steak gönnen, in der Gewissheit, damit etwas für meine Gesundheit zu tun ;-)

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