Tempus fugit ²


 

Die letzten verbliebenen treuen Leser meiner Ergüsse haben wahrscheinlich längst bemerkt, dass mein Blog langsam aber sicher einzuschlafen droht. Was vor nunmehr sieben Jahren als Therapie gegen Liebeskummer begann und über mehrere Jahre liebevoll gepflegt wurde, ist inzwischen zu einem Schatten seiner selbst mutiert. Meine grande amore ist zwar nicht vergessen, aber inzwischen soweit in den Hintergrund getreten, dass ich das Schreiben als Therapie nicht mehr zwingend brauche und in den letzten zwei drei Jahren fehlten leider oft die Zeit, die Muse und die Inspiration für neue Beiträge. Wer nun denken mag, dass in meinem Leben inzwischen so etwas wie Ruhe eingekehrt ist und ich mich endgültig vom blauen Sofa meines Therapeuten verabschiedet habe, der irrt.  Dass mein Leben ruhig dahin plätschert, hat das Schicksal wohl für mich nicht vorgesehen und ich habe inzwischen die Hoffnung aufgegeben, dass dieser Zustand jemals eintreten wird.

Seit mittlerweile 8 Monaten vertreibe ich mir nun schon die Zeit in einem bundesweit einmaligen Projekt für Arbeitslose. Teil meiner Arbeit ist, bedürftige Hilfesuchende zu unterstützen beim Ausfüllen von allen möglichen Anträgen, beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen und PC- und Internet-Support. Diese Hilfesuchenden haben größtenteils einen Migrationshintergrund, sprechen zum Teil kaum ein deutsches Wort und oft fehlt ein passender Dolmetscher – so gestaltet sich die Arbeit meist zeitintensiv und schwierig. Darüber hinaus bieten wir Hilfesuchenden einen Raum, in dem sie einfach einmal einen preiswerten Kaffee trinken, Gespräche führen, oder Zeitung lesen können, Asylsuchende besuchen bei uns Deutschkurse und wir bieten regelmäßig eine Kinderbetreuung während der Schulferien an. Das klingt alles recht interessant und ist wichtig für Integration  und soziales Miteinander? Ist es auch und wenn oft zwar mühselig und anstrengend, füllt mich diese Arbeit schon aus. Aber innerhalb unseres Teams bin ich umgeben von Menschen mit Suchtproblemen, Menschen, die Arbeit scheuen, oder sie erst gar nicht sehen, Menschen mit überzogenem Geltungsbedürfnis, Menschen die sich selbst überschätzen, Menschen, die ohne klare Ansage nicht arbeiten können, oder wollen und unzuverlässigen Menschen. Das macht das Ganze dann weniger lustig und bietet fast täglich Zündstoff für Diskussionen, Ärger und Unzufriedenheit. Mich laugt das zeitweise sehr aus, ich nehme viel zu viel mit nachhause und ich merke inzwischen, dass es meiner Gesundheit nicht gut tut. Trotzdem möchte ich diesen Job aber nicht missen und so drehe ich weiter meine Runden im Hamsterrad.

Und so rast die Zeit dahin – gestern war noch Frühling und heute ist schon wieder Herbst. Wo ist eigentlich der Sommer geblieben und gibt’s schon Spekulatius? Nicht, dass ich die mögen würde… ;-)

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7 Kommentare

  1. Oh ja, ich freu mich auch immer, wenn die Therapie geholfen hat. Und Sommer war auch lang genug. Inzwischen hab ich schon wieder mir die Wärmflasche in den Rücken gestellt.

    Hehe, wünsch dir was. Oke, keine Spekulatius ^^

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    1. Findest du? Also ich könnte durchaus noch ein paar Wochen Sommer gebrauchen. Nicht unbedingt 30 Grad im Schatten, aber um die 25 Grad und Sonne wäre schon toll. Das aktuell vorherschende Wetter ist mir für Anfang September eindeutig zu herbstlich :-(

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